image_pdfimage_print

תשובה

T’schuwa – Umkehr

T’schuwa heißt soviel wie Reue, Umkehr, Antwort oder Bescheid. Alles das bekam ich, im positiven wie im negativen Sinne, unmittelbar vor und auch während Yom Kippur.

Die direkt positive Antwort auf meine Ehrlichkeit am Donnerstag, nachzulesen hier, bekam ich in Form dessen, dass ich zwei unweigerlich verloren geglaubte Gegenstände widerfand, an der selben Stelle.

Zum Einen fand ich mein Mobiltelefon wieder, was ich kurz bevor ich nach Israel abreiste verloren hatte und mir viel Stress bereitete, da da etliche Nummern drauf waren, die ich auf das Ersatztelefon nicht übertragen konnte mit dem Laptop.

Und zum Anderen fand ich meine alte Armbanduhr wieder, die ich bestimmt schon seit 10 Jahren besaß und meinte, im Kibbutz gelassen zu haben. Viel mehr noch, hatte ich meinen Mitbewohner in Verdacht, da die Uhr soweit ich mich erinnern konnte, nicht wieder mit nach Deutschland ging. Aber offenbar lag ich da falsch, hatte sie mit zurück genommen und dann im November verloren, wie so vieles Anderes…

Doch auch meine Dummheit, ja schon fast bösartige Arroganz wurde umgehend bestraft, also wohl am Samstag, Yom Kippur, ein netter Brief eines Amtes ins Haus flattert. Ich war erst heute im Briefkasten, aber die Nachricht unmissverständlich.

Ja, ich hätte nicht unbedingt eine so reale , sagen wir plastische, Antwort erwartet, aber in den den Tagen der Umkehr, so nennt man die 10 Tage zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur, kann eben so vieles passieren, wie im Rest des Jahres auch. Das nun gerade zwei solche Dinge passieren, ein kleines persönliches Wunder ist das schon.

Yom Kippur selbst war dann wie immer ein sehr persönlicher Tag: 25h fasten, beten, ruhen – immer wieder. Man besinnt sich noch einmal auf das vergangen Jahr, wiegt Fehler ab, denkt über die schönen wie traurigen Momente nach, fragt sich, wieviel man getan und nicht getan hat oder haben könnte, erkennt, dass es letzten Endes sinnlos war, sich dem Negativen hinzugeben, da nur das Positive Frucht trägt und so weiter.

Alles in Allem war es ein sehr wichtiges Jahr für mich, mit herben Rückschlagen, die aber von vielen, spürbaren persönlichen Änderungen, einer enormen Gelassenheit und einer größeren Zuversicht aufgewogen werden. Mein Vertrauen in die Dinge, wie sie sind, ist gestiegen, mein Menschenbild ist ein kritischeres, aber ich habe viel mehr Respekt vor meiner Umwelt gewonnen und weiß nun wirklich, was dieses Glück ist, von dem Alle immer reden.

Mein Dank gilt an dieser Stelle alle jenen, die mich begleiten oder begleitet haben und auch jenen, die mich liegen liessen, die mich lehrten, aus eigener Kraft aufzustehen und denen ich eines Tages wieder unter die Augen trete, wenn sie ihre Augen senken und ich mein Haupt erheben kann.

Shalom u’vracha – Frieden und Segen (euch Allen)

ירושלים ב

„Allahu akbar“ tönt es aus den Lautsprechern des Minaretts. Es ist circa halb sechs Uhr Morgens und ich stehe aufrecht im Bett. Allah ist der Größte.

Eigentlich hatte ich meinen eigenen Wecker auf 6:30 Uhr gestellt, um bei Sonnenaufgang schöne Fotos von der Altstadt zu schießen, aber offenbar ging die Sonne an dem Tag eine Stunde eher auf. Draußen teilt das Licht die Nacht vom Tage langsam, doch mein Körper mag nicht wirklich aufstehen und so schiebe ich ihn erstmal unter die Dusche.

Frisch geduscht, mit einem eher kühlen Rinnsaal von Dusche und neu eingekleidet, in schwarze Hose, weißes Hemd, geh ich hinauf aufs Dach. Erstmal bete ich das Schacharit (Morgengebet).

Jerusalem in allen Richtungen, das Heiligtum, in Blickrichtung. Es ist Shabbat, aber dennoch hört man bereits das Klappern der Händler, die langsam den Shuk mit ihren Waren füllen werden.
IMG_0958.JPG

Trotz der frühen Zeit ist es recht warm, die Sonne färbt die alten Gemäuer golden und der Himmel ist strahlend blau. Genau richtig zum fotografieren, auch wenn ich damit ein Verbot des Shabbats breche. G’ttes Werk mag unvergänglich sein, aber eben nicht des Menschen Werk. Und grade die Stadt Jerusalem weiß das sehr wohl.

Gegen 10 sind dann auch Sigfus, Sebastian, Emmanuel und Ian wach, haben gefrühstückt und wir beschließen, das Hostel erstmal zu wechseln, da Emmanuel abreisen und Sebastian uns nur bis 14 Uhr begleiten wird.

Ian und ich möchten jedoch gerne erstmal wieder zur Klagemauer, deren Platz gleichzeitig auch eine Synagoge ist und am Shabbatg’ttesdienst teilnehmen.

So laufen wir fünf also mit vollem Gepäck den Shuk hinunter, werden von etlichen Händler begrüßt und drängeln uns im Fluss der Massen durch die Gassen.

Ein paar orthodoxe Juden sehen wir zwar auch durch den Basar rennen, aber sie halten nicht an, blicken nicht nach links oder rechts, sondern eilen zielstrebig in Richtung jüdisches Viertel, an dessen Fuße sich auch haKotel befindet.

Dummerweise hat Ian dann ein paar Probleme, seinen Rucksack durch die Sicherheitsschleusen zu bekommen, den was er ganz vergessen hat, ist das Klappmesser in seinem Rucksack. Er lässt es also samt Rucksack zurück.

Dann gehts zum notwendigen Hände waschen vor dem Betreten des heiligen Ortes. Überhaupt ist das rituelle Waschen der Hände ein Brauch, der auch vor jedem Essen, dem Betreten von Synagogen oder Friedhöfen oder an bestimmten Feiertagen extra stattfindet. Siehe dazu hier.

Erst dann betreten wir wirklich die Freiluftsynagoge.IMG_1035.JPG

Ein Mann hält mich an, fragt mich ob ich „תפילין“ – Teffilin anlegen will. Ich sage: „כן“ – ja. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Gebetsriemen trage. Er spricht mir langsam das dazugehörige Gebet vor und ich versuch es so gut es geht nachzusprechen.

Es mag eigenartig aussehen, zwei Quader, einen auf dem Kopf, einen auf der linken Hand, zu tragen und dabei mit einem Buch in der Hand in ständigem Vor- und Zurückbeugen des Oberkörpers vor einer Mauer zu beten, doch genau das ist es, was ich an diesem Tag möchte: Beten.

Etwa eine halbe Stunde später stimme ich dann, nachdem ich ein paar Gebete gesprochen hab, in die Gesänge der Umstehenden ein. Sie singen „Lecha dodi“. Eines meiner Lieblingslieder aus der Siddur.

Ian ist bereits wieder außerhalb des Platzes und wartet auf mich. Er grinst, als er mich in „voller Montur“ sieht, doch er selbst hatte mich gestern noch gefragt, ob wir uns heute die Tefilin umschnüren würden.

Wir treffen die drei Anderen dann am Österreichischen Hospiz. Leider haben sie kein Zimmer für uns frei und so beschließen wir, es in einem Hotel in der Nähe des Jaffa-Tores zu versuchen. Doch da die Via Dolorosa am Hospiz entlangführt, führe ich die Truppe dort entlang, hinaus am Löwentor und hin zum muslimischen Friedhof.

Für das Goldene Tor hat zwar keiner Interesse, dafür umso mehr für die auf der anderen Talseite liegenden Grabstätten und die Mauer, die Ost- von Westjerusalem trennt.

Am Dungtor gehen wir wieder in die alte Stadt und laufen über das jüdische, dann das armenische Viertel zurück.

Doch auch das Hotel hat keine Betten mehr frei und so landen wir wieder im Petra Hostel, diesmal für 260 NIS die Nacht im selben Zimmer.

Trotz Shabbat hat das „The Tower of David Museum“, was quasi das Stadtmuseum ist, geöffnet und man darf sogar jetzt kostenlos fotografieren.
IMG_1017.JPG
Wir nutzen also die Gelegenheit und erkunden die alten Ruinen der Festungsanlage. Der Davidsturm hat jedoch nichts mit König David zu tun, sondern war ursprünglich ein Minarett. Aber darüber wird man dann auch im Museum aufgeklärt.

Nach dem Rundgang liefen wir dann wieder in die alte Stadt. Ian war noch immer auf der Suche nach Shishatabak, auch wenn es den wirklich an jeder Ecke gab. Aber er wollte noch irgendwas Anderes haben, was man in den Tabak mischen kann.

Es war dann schon 18 Uhr, als wir, die Füße wundgelaufen, wieder aus der Altstadt herauskamen. Unsere Mägen knurrten und so fielen wir bei einem Libanesen ein, der ganz wunderbare Kebab zubereiten konnte.

Kebab hat allerdings nicht mit Döner Kebab zu tun, sondern sind einfach nur sehr leckere Fleischspieße.
IMG_1047.JPG
So gestärkt, der Shabbat neigte sich dem Ende zu, wollten wir das jüdische Viertel erkunden, was weitestgehend geschlossen war am Tage.

Hocherfreut war ich, als ich einen Buchladen fand, der zahlreiche Bücher in Englisch führte und erwarb endlich eine komplette Artscrolls Siddur für den halben Preis, wie sie Amazon in Deutschland derzeit verkauft.

Spätabends saßen wir dann, Ian, Sigfus und ich, auf dem Dach des Hostels, genoßen die kühle Abendluft, gepaart mit ein paar Dosen belgischem Bier und sinierten über G’tt und die Welt, begleitet von lauten Konzertklängen die aus der Davidsturm-Festung kamen.

Langsam schloßen die Händler ihre Läden. Der Mond war hinter streifenförmigen Wolken, so dass man ihn direkt beobachten konnte, wie er sich langsam, von links nach rechts im Halbkreis bewegte.

Plötzlich entdeckte ich ein paar Leuchtraketen am Horizont, die direkt an der Betonmauer die Palästina von Israel trennt hinuntergingen. Doch nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und wir widmen uns wieder dem schönen Anblick der Altstadt und dem Erdtrabanten.

In der Ferne beoabachte ich ein Flackern, was aus rechter Richtung direkt auf uns zuzukommen scheint. Immer größer wird es und entpuppt sich als eine Art Feuerball, der sich nun aber zielstrebig Richtung Ostjerusalem bewegt.

Eine Rakete? Womöglich, den so schnell und leise ist kein Flugzeug. Noch dazu so hell. Irgendwo in Westjordanien verschwindet das Ding dann.

Wenige Minuten später noch eins. Und dann noch ein Drittes. Wir sind uns nun sicher, es müssen Raketen gewesen sein.

Findet Etwas gerade jetzt ein Angriff auf das Palästinänsergebiet statt und wir sind live dabei? Erst die Leuchtsignale an der Trennungsmauer und jetzt das?

Was solls. Wir genießen weiter unser Bier, die kühle Abendluft und die Stille und Schönheit der Altstadt.

ירושלים א

Yerushalaim – Jerusalem

Dies ist der erste von drei Beiträgen zu dem Wochenende vom 01. bis zum 03. Januar 2010 in Jerusalem.

Nach der Neujahrsfeier sinke ich, gegen 2 Uhr Ortszeit, ermüdet ins Bett. Deutschland ist mittlerweile im neuen Jahrzehnt, Großbritannien, Island und Portugal feiern grad mit Senegal.

Gegen 5 Uhr weckt mich mein, ins Zimmer stolpernder, Mitbewohner und wünscht mir „Shana tov“ – ein Gutes Jahr.

Ich erinnere mich, dass er mit Sigfus (IS), Emmanuel (FR) und mir am späten Morgen des Neujahrtages nach Jerusalem fahren wollte, doch er macht den Eindruck, als hätten ihn die Geister von 2009 eingeholt und seinen Eigenen schon mal vorsorglich ins Jenseits befördert.

Als ich dann bereits vom Mittagessen, gegen 12 Uhr, zurück komme, steht er wieder erwartend, sich am Bauch kraulend auf der Veranda und entgegnet mir irgendetwas.

Mittlerweile ist die Abfahrtszeit auf 2 Uhr angesetzt, da Sigfus bis 2 arbeiten muss.

Gegen halb 3 stehen wir dann zu fünft an der Bushaltestelle, mit Nathan (US) und werden Zeuge eines suizidgefährdeten Hundes.

Ein Labrador mit hellbraunem Fell steht an einer stark befahrenen Straße und springt jedem Auto entgegen, dass seinen Weg kreuzt. Die darauffolgenden Autos können nur mit Mühe ausweichen, aber irgendwie schafft der Hund es, dem Tod zu entrinnen.

Zum Glück erlöst uns der herannahenden Bus von diesem Drama. Wir steigen ein, doch Nathan zögert plötzlich. Irgendwie hat noch jemand ihn an den Pass erinnert.

Sein Pass ist noch bei den Behörden und kommt wohl nächste Woche. Doch ohne Pass in Israel, noch dazu in Jerusalem, herumzureisen ist nicht ganz Ohne und so verzichtet er auf den Trip.

Wir fahren nach Afula, versuchen noch ein Sammeltaxi zu bekommen, doch der Preis von 550 Shekel für 4 Personen ist uns gegenüber 40 NIS pro Person mittels Bus einfach zu viel.

Nach anderthalb, statt von Egged veranschlagten zwei, Stunden, erreichen wir Jerusalems Zentralen Busbahnhof.

Doch da bereits seit einer Stunde Shabbat ist, hält der Bus vor dem Gebäude.

Von dort an laufen wir den Weg, die Jaffo Street, hinunter an geschlossenen Geschäften. Ein paar Autos fahren zwar vorbei, aber im Grunde ist Totenstille.

Und auch das Jerusalem Hostel, in welchem wir eigentlich nächtigen wollen, hat des Shabbes wegen keine offene Rezepetion und so ziehen wir weiter in Richtung Altstadt.

Nach einer gediegenen Stunde, wir haben inzwischen doch noch Bier und Abendbrot kaufen können, finden wir uns am Jaffator ein.

Von dort aus sind es nur 2 Minuten bis zum Petrahostel, was uns ein 4 Bett Zimmer für 280 Shekel pro Nacht offeriert.IMG_0952.JPG

Dankend checken wir ein, ruhen eine halbe Stunde und laufen dann den Shuk hinunter bis zur Klagemauer.

Nachdem Ian und ich ein paar Gebete gesprochen und kleine Zettel in die Mauer gesteckt haben, gehen wir, natürlich rückwärts auf den Platz zurück, treffen wieder auf Emmanuel und Sigfus und suchen ein nettes Restaurant am Rande des jüdischen Viertels auf.
IMG_0954.JPG

Dort kommt es, nach zwei Falafal und einer Schawarma noch zu einem kleinen Eklat. Sigfus wollte gleich nach der Bestellung bezahlen, doch irgendwie war das nicht ganz im Sinne der Inhaber und so gaben sie das Geld an Ian, statt Sigfus, zurück.

Ian jedoch konnte sich nicht erinnern Geld erhalten zu haben, während Siggi der Ansicht war, sein Essen bereits bezahlt zu haben.

Es versammelten sich immer mehr Leute um uns, doch Ian leerte seine Taschen aus und fand keine 20 Shekel, die er quasi jetzt dem Restaurant schuldete.

Sigfus gab klein bei und bezahlte nochmals 20 Shekel für seine Schawarma.
IMG_0955.JPG
Spätabends trafen wir dann auf Sebastian, einen langjährigen Freund unseres Franzosen. Er hatte vor 5 Jahren Aliyah gemacht, lebte in Tel Aviv und führte uns zum Grab von König David.

Und brachte Vodka. Und Bier. Die wir allerdings auf dem Dach unseres Hostels tranken, wovon man im Übrigen einen ausgezeichneten Blick auf die Altstadt hat.

So klang der Abend ganz friedlich aus und ich stellte mir schon mal meinen Wecker auf 6:30 Uhr, die Sonnenaufgangszeit.

שקט

Scheket – Ruhe

Es ist Frühling. Nun zumindestens wenn ich das Wetter mit dem in Deutschland vergleiche, wo es grade sehr kalt ist und Schnee liegt. Wir haben hier im Kibbutz aktuell 20°C, es scheint die Sonne und der Himmel ist wolkenfrei.

Die letzten Tage jedoch war das Wetter richtig mies. Die Israelis freuen sich zwar über Dauerregen, aber wirklich Spass macht das nicht, wenn zudem ein ekliger Wind vom Westen her weht und es kaum wärmer als 10°C wird.

Dennoch habe ich mich einigermaßen gut eingelebt im Kibbutz. Früh aufstehen, 6h arbeiten mit zwei Pausen zu jeweils 30 Minuten und dann ist schon gegen 14 Uhr Feierabend.

Nachmittags verbringe ich dann Zeit zusammen mit den anderen Voluntären aus 12 verschiedenen Ländern in unserem Gemeinschaftsraum, ruhe mich aus, lese Bücher aus der wirklich gut bestückten Bibliothek oder bin online, was sonst.

Alternativ könnte ich in den „gym“ gehen, mich ein wenig fit halten, mich auf Wanderung durch die wirklich schöne Landschaft begeben oder den Basketballplatz unsicher machen. Doch für Letzteres brauch man ein paar Freiwillige und die fanden sich in den letzten Tagen aufgrund des Wetters nicht.

Abendbrot gibt es, wie ich schon vielleicht erwähnt hab, nicht im großen Speisesaal, aber dafür kochen wir Voluntäre dann meistens gemeinsam in unserer eigenen Küche.

Heute Abend beispielsweise werden Emmanuel (aus Frankreich) und ich Crêpes bzw. „french pan cakes“ zubereiten. Sogar mit Amarettolikör…

Was gibt es sonst noch zu sagen? Ich werde ja oft gefragt, was ein Kibbutz nun eigentlich ist. Eine wirklich durchgehend passende Antwort hab ich noch nicht gefunden, aber die wikipedia berührt das Thema schon sehr genau. Nur erwähnt sie beispielsweise nicht, dass es auch urbane Kibbutzim gibt.

Ich werde, versprochen, darüber noch einen ausführlichen Artikel schreiben, aber ich hatte mir vorgenommen so neutral wie mir möglich ist zu schreiben, was aufgrund einiger Erlebnisse, positiv wie negativ, nicht so einfach sein wird.

Wir werden sehen…

בצורת

Bazoret – Dürre

Nachdem ich heute morgen, gegen 7 Uhr erstmal im Supermarkt mein Frühstück bestehend aus einer Packung Salat, sehr leckeren Hüttenkäse mit Oliven, einem dunklen Brötchen und einer kleinen Packung Buttermilch – es sollte eigentlich normale Milch sein, einkaufen war und mit meinem Nachbarn Sergej gefrühstückt hatten, gingen wir runter zum See.
The docks
Deutlich zu sehen war da, dass der Kinneret in den letzten Jahren erheblich an Wasser verloren hatte. Der Hafen war praktisch nur noch eine kleine Pfütze und an den Landestegen sah man, dass der See einst 3 bis 4 Meter höher bzw. tiefer (?) war.

Zum Einen wird das daran liegen, das Israel den größten Teil seines Trinkwasser aus dem Kinneret bezieht, als auch an den abnehmenden Zufluss des Jordans, der aus den Golanhöhen kommt, zwar in den See fließt, aber auch wieder hinaus fließt und schließlich ins Tote Meer mündet.

Und Regentage sind hier auch seltener geworden, sagt man.

Die meisten Geschäfte hatten, weil es Freitag ist, gar nicht erst geöffnet oder schlossen bereits um 11 Uhr wieder. Nur einzelne Restaurants luden dann nochmal um 18 Uhr zum Shabbat Dinner ein, aber wir nahmen uns vor, den Abend im Hostel zu verbringen.

Sergej, ein aus Deutschland stammender Jude, war bereits vor 20 Jahren ins Land gekommen, hatte ein paar Jahre wieder in Deutschland gelebt und versucht sich jetzt wieder in Israel einzubürgern. Natürlich bekam er dann nicht wieder den Status und somit die Vorteile eines Olim – Neueinwanderer, sondern musste nur seinen Israelischen Pass neu ausstellen lassen.

Es ist im Übrigen für mich das erste Mal, dass ich den Shabbat außerhalb eines Kibbutz verbringe und ich merke deutliche Unterschiede: Bereits gegen Mittag bricht eine Art Unruhe aus. Jegliche Arbeiten werden langsam eingestellt, die Leute fahren zu ihren Familien, vor den Banken und an den Supermarktkassen bilden sich lange Schlangen, die Orthodoxen sind präsenter auf den Straßen und die Bäcker versuchen durch lautes Geschrei ihre letzten Challot loszuwerden.

Im Kibbutz hingegen würde man jetzt noch bis circa. 15 Uhr arbeiten, dann würden sich die Leute in ihre Häuser zurück ziehen, sich chique machen und gegen 18 Uhr entweder sich zum Kabbalat Shabbat G’ttesdienst treffen oder dann um 19 Uhr gemeinsam im Speisesaal das beste Abendbrot der Woche einnehmen um anschließend sich noch auf Kaffee und Kuchen zu treffen.

Und danach wären 24h Ruhe. Kein Lärm, keine Hektik, einfach nur ausruhen, Kräfte sammeln und auf die nächste Woche warten.

Wie das nun in der Stadt anders ist, das werd ich sehen. Nur werde ich morgen mit dem Fahrrad mal versuchen um den Kinneret zu fahren. Oder zumindestens so weit ich mag, fahren.

Shabbat Shalom!