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שיבה

Schiwa – Rückkehr

Nun bin ich wieder in Israel. Tel Aviv ersteinmal. Der vergangene Monat war, gelinde gesagt, kein wirklich guter Monat für mich.

Nicht nur, dass der Traum von 6 Monaten im Kibbutz jäh zu Ende war, nein auch die nachfolgenen Tage und Wochen brachten nichts Gutes sondern jede Menge emotionale wie körperliche Anstrengungen mit sich, die mich schier verzweifeln ließen.

Das mein Studium zu Ende war, damit hatte ich mich ja irgendwie noch arrangieren können, doch irgendwie schien es mir von Tag zu Tag so, als wäre es besser gewesen, hätte ich versuch die Wartezeit auf einen neuen Kibbutz lieber hier, in Israel, zu verbringen anstatt von einem Tag auf den Anderen nach Hause zu fliegen und Chaos zu stiften.

Die letzte Novemberwoche war dann die Härte. Ich hatte 3 Wochen gewartet, dass sich das Kibbutz Program Center endlich bei mir meldete.

Als am Sonntag immer noch keine Mail von Ihnen kam, schrieb ich selbst eine und wartete bis Dienstag auf Antwort.

Dann rief ich an, ich hatte von einer Mitarbeiterin die Mobilfunknummer bekommen und versuchte so mein Glück.

Doch kaum hatte ich meinen Namen genannt, legte sie auf. „Schönen Dank auch!“ dachte ich mir und war ziemlich entmutigt, hatte ich doch ewig darauf gewartet, endlich zu wissen, wo ich die nächsten Wochen und Monate verbringe.

Kaum hatte ich mich, am Donnerstag, zwangsweise arbeitslos gemeldet, bekam ich dann doch eine E-Mail vom KPC in dem man mir mitteilte, dass man einen Kibbutz für mich finden wöllte und ich doch bitte sagen solle, wann ich zurückkehren würde.

Prompt teilte ich ihnen mit, dass ich nach wie vor ein Flugticket für den 1. Dezember habe, gewillt bin 3 Monate nochmal in einem Kibbutz zu verbringen und mich darauf freue, dass man mir endlich antwortet.

Aber Pustekuchen. Ich bekam zu hören, dass ich mich hätte melden sollen, sobald ich in Israel sei und man frühstens Mitte Dezember einen Kibbutz mir in Aussicht stellen könne. Außerdem solle ich mich doch bitte selber um mein Visum kümmern, da die KPC nicht der Meinung seie, dass ich erneut eins bekäme.

So stand nun wieder alles auf der Kippe. Sollte ich nun am 1. Dezember hinfliegen, mit der Ungewissheit, dass ich vielleicht kein Visum bekäme und ich finanziell in 2 Wochen am Ende war? Oder sollte ich lieber die freie Zeit der Arbeitslosigkeit nutzen, mich Freunden und Familie widmen, mir einen Job in Deutschland suchen, endlich meinen Führerschein machen und ein neues Studium finden?

Immer wieder wechselte ich mit der KPC Mails, da ich von Ihnen die Versicherung wollte, dass sie ich in den Kibbutz kann, doch man ignorierte dass und verlangte lieber, dass ich Dokumente ausfülle, die ich schon 2 Mal ausgefüllt hatte und seit meinem ersten Besuch im KPC irgendwo denen vorlagen.

Am Tag vor dem Flug war ich dann eigentlich der Ansicht, dass es keinen Zweck hatte, ein Risiko einzugehen, da mir ganzheitlich eher nach Stabilität den Abenteuer war.

Doch dank der Überzeugungsarbeit zweier guter Freunde und letztlich dem entscheidenden Münzwurf nahm ich den Flieger bzw. erstmal den Bus nach Berlin und dann den Flieger nach Tel Aviv.

Nun bin ich hier. Habe ein Touristenvisum für 3 Monate, wofür ich leider noch schnell beim Check In ein Rückflugticket kaufen musste, da mir sonst die Einreise wirklich verweigert worden wäre und die KPC hatte mir schon „probably“ den Namen des Kibbutz mitgeteilt.

Allerdings brauch ich jetzt ein Volunteer Visa, was lt. KPC 14 Tage, also bis ich in den Kibbutz gehe, dauern wird.

Na mal sehen. Ich klopf erstmal bei denen an…

ביקור

Bikur – Besuch

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass die letzten Tage eine der emotional anstrengstend dieses Jahres waren. Ein ewiges Hin und Her und bis ich endlich den Flug umgebucht hatte, wusste ich nicht wirklich weiter.

Was war geschehen?

Wie ich euch schon berichtet hatte, war ich nicht mehr im Kibbutz und hatte auch bei einem Ökofarmer über die WWOOF nicht weiter kommen können. Nachdem ich deren Bereichsleiter für Israel kontaktiert hatte, der mir mitteilte, ich solle mich eine Woche gedulden und ihm währendessen 50 € überweisen, resignierte ich.

1 Woche in Tel Aviv ist teuer. Das Hostel kostet 90 NIS, also knapp 16 € die Nacht, was nicht viel ist, aber für eine Woche laufen da schon mal 100 € zusammen. Hinzu kommt noch Verpflegung, die nicht grad billig ist, selbst wenn man sie im Supermarkt kauft.

Selbst die einfachsten Lebensmittel kosten hier eben mehr als in Eilat, wo es am billigsten im Lande Israel sein soll, oder in Europa. Und jeden Tag Falafel für knapp 2 Euro mag ich auch nicht essen.

Also überlegte ich mir, ob es nicht sinnvoller wäre, die Wartezeit auf den neuen Kibbutz nicht dort zu verbringen, wo ich sicher sein kann, günstig und in vertrauter Umgebung zu warten. Nämlich zuhause, in Dresden.

Wie die Meisten von euch nicht wissen, hatte ich ohnehin schon einen Flug für den 25.11 gebucht um für 1 Woche bis zum 1. Dezember in Dresden zu sein.

Nun konnte ich den Flug umbuchen, auch wenn AirBerlin dafür stolze 90 € haben wollte, was immr noch besser war, als 150 € in einer Woche Wartezeit in Tel Aviv auszugeben. Klar muss ich auch in Dresden einkaufen, aber 50 € pro Woche brauch ich da nicht.

Also geht es nun zurück. Aber nur zeitweise, den am 1. Dezember flieg ich wieder nach Tel Aviv. Das KPC wird mir dann wohl inzwischen einen vernünftigen, dass heißt nicht im Süden oder am Gazastreifen gelegenen Kibbutz zugewiesen haben.

Bis dahin, wer mich kontaktieren will, wenn ich in Deutschland bin, weiß, wie er mich erreicht. Nur meine Mobiltelefon hab ich ja noch immer nicht wieder, weswegen ich auf folgende Ersatznummer zurückgreifen muss.

mobil

Bitte seht davon ab, diese ungefragt weiterzureichen, da ich sie nur ungern verwende für private Zwecke. Naja, das versteht sich eigentlich von selbst, oder?

Was bleibt mir nun noch zu sagen:

  • Ich liebe dieses Land, dieses Eretz Yisrael
  • Ich habe viel gelernt, positiv wie negativ
  • Dieses Land wird seine eigene, persönliche Lösung finden müssen
  • Ich glaube und bin tolerant
  • Meine Heimat ist irgendwo zwischen meinem Kopf und meinem Herzen
  • Der Weg ist das Ziel.

בילבול

Bilbul – Verwirrung

Die letzten Tag waren sehr… seltsam. Ein einzig großer Balagan. So nennt man hier ein heilloses Durcheinander. Mir hat man mal erzählt, so wurden die Märkte in Rußland bezeichnet. Also alles drunter und drüber.

Nun, ich bin nicht mehr im Kibbutz sondern in Tel Aviv.

Wie kam es dazu?

Am letzten Freitag bekam ich von meiner Chefin gesagt, dass ich künftig nicht mehr in der Küche sondern in der Refit – also in der Kuhmolkerei – arbeiten würde.

Die Gründe dafür kannte ich bereits: Ich hatte einfach nicht wie ein Roboter die Nachmittags- und Abendschichten perfekt ausführen können, Kleinigkeiten vergessen oder Dinge nicht an die richtigen Plätze geschafft, weil ich zugegebn für sowas zu verzettelt bin und es nicht schaffe kleine Arbeiten zu sehen.

Beispiele: Einen von 12 Tischen nicht ordentlich abgewischt, sauberes Geschirr im Geschirrspülraum am falschen Platz stehen lassen, Essen das im Warmhalter war nicht rausgebracht und weggeschmissen, nicht alle Schnipsel auf dem Fußboden aufgepickt, Spiegel und Fenster nach dem Dienst nicht ordentlich geputzt.

Meines Erachtens war es aber auch nicht fair. Man gab, trotz dass man bereits wusste, dass ich für die Nachmittags- und Abendschichten nicht so gut geeignet bin wie zwei oder drei meiner Mitarbeiter, immer wieder solche Schichten. Ich sollte es halt endlich lernen.

Dafür konnte ich in der Vormittagsschicht immer punkten. Keiner konnte Gemüse, Salat oder Fleisch so schnell, sauber und präzise wie ich zubereiten. Nur ist das eben nur die halbe Miete. Im Grunde ist Küche 33% Essen zubereiten, 66% Reinigung. Was ja auch richtig so ist.

Sei es drum, ich war also nun raus aus der Küche und fand mich damit ab, Kühe zu füttern, zu melken und sonstwas zu tun.

Aber am Sonntagmorgen wusste ich immer noch nicht, wo und wann ich nun anfangen soll. Also rief ich Penny, die für die Voluntäre zuständig ist an und fragte sie, wann den meine Schicht anfängt.

Sie wusste jedoch gar nicht, dass ich nicht mehr in der Küche arbeitete und vertröstete mich aufs Mittagessen.

Dann, nach dem Lunch, rief ich sie an, da sie nicht erschienen war, worauf sie mir mitteilte, dass sie leider keine freie Stelle im Kibbutz für mich finden konnte und das obwohl Juan, auch ein Voluntär, bereits seinen Platz in der Refit räumte um für mich in die Küche zu gehen.

Das hatte sich zwar rein zufällig so ergeben, aber wir wollten beide aus der Situation das Beste machen.

Doch Pustekuchen. Penny teilte mir mit, dass ihr das Alles sehr leid täte, aber Juans Stelle sei bereits besetzt und ich müsste doch bitte den Kibbutz bis zum Abend des nächsten Tages, also Montag, verlassen.

So stand ich also nun da.

Ich rief also das Kibbutz Program Center an. Man teilte mir mit, man würde erstmal gerne überprüfen, wieso ich „rausgeflogen“ bin und man könne mir auch nicht einfach einen anderen Kibbutz zuteilen.

Als ich bis zum nächsten Morgen keine Antwort bekam und Penny auch keinen Anruf erhalten hatte, rief ich erneut an, erklärte mein Problem, worauf die Dame ungefähr meinte: „Nein, wir können Dir keinen Kibbutz geben. Du bist rausgeflogen, nun flieg doch einfach zurück nach Deutschland.“

Darauf sagte ich ihr, dass ich Erstens gerne hier bleiben würde und mir auch nicht eben mal ein Ticket leisten könne.

Doch sie meinte nur, dass sei nicht ihr Problem, ich solle sehen wo ich bleibe. Schönen Dank.

Ich entgegnete ungefähr: „Wie stellen sie sich das vor? Ich hab keine Arbeitserlaubnis, das Geld ist auch irgendwann alle. Soll ich auf der Straße leben bis ich tot umfalle?“

Nun gut, ich war aufgebracht. Es war übertrieben von mir.

Also rief ich einen Freund von Shera an, der das KPC ganz gut kannte, worauf er mir auch weiterhelfen konnte.

Erstmal jedoch musste ich den Kibbutz verlassen. Ich nahm mir, wie so oft, vor den nächsten Bus, egal wohin er fuhr, zu nehmen.

14:43 stieg ich mit Sack und Pack in den Bus nach Tel Aviv. 70 Shekel. Jalla! (Los gehts!)

Gegen 20 Uhr war ich dann in Tel Aviv, Momo Hostel. Kein besonders schöner Ort, aber ich wollte ja nicht lange hier bleiben.

Nun dann der heutige Morgen. Ich kontaktierte gegen 7:30 den Freund von Shera, welcher aber mir nur mitteilen konnte, dass er Alles versucht hätte, aber da ich lt. der KPC „menschliche Probleme“ habe, mir nicht weiterhelfen wolle.

Was auch immer das war. Ich vermutete irgendwas in Richtung des letzten Telefonates, dass sie einfach nach einem Grund suchten, mich aus dem Program herauszunehmen.

Doch da die Frishman Street hier gleich um die Ecke ist, ging ich, nach einem sehr ausgedehnten Spaziergang einmal die Dizingoff bis zum Ende nach Norden und über den Strand zurück, in das KPC Office.

Erstmal meinte die Dame, ich solle warten. Ich wartete ca. 1h ohne das ich sehen konnte, dass sie wirklich ernsthaft beschäftigt war.

Dann kam eine andere, wesentlich freundlicher und attraktivere Dame zu mir, fragte mich, ob ich der sei, der ich bin und ob ich bitte in ihr Büro kommen könnte.

Erstmal wollte sie von mir wissen, wie es dazu kam, dass ich den Kibbutz verlassen musste. Sie hatte natürlich inzwischen Penny kontaktiert und sie verstand nun gewissermaßen beide Seiten. Fakt war, dass ich nicht aus persönlichen Diskrepanzen gehen musste, sondern weil eben wirklich kein Job für mich frei war.

Dann sagte sie mir, dass man natürlich nach einer Lösung, also einem neuen Kibbutz für mich suchen würde. Ich, der schon beinahe drauf und dran war, zurück zu fliegen, war darüber sehr erfreut.

Das Problem nur war, dass ich mich auf eine Wartezeit von mindestens 2, eher 3, Wochen einstellen solle. Sie ahnte natürlich, dass ich nicht so viel Geld dafür übrig haben würde und empfahl mir, mir eine Anstellung auf einer Farm zu suchen.

Sie gab mir auch eine Telefonnummer. Doch leider konnte der Herr mir nicht viel weiterhelfen, da er selbst genügen Voluntäre hat und reichte mich weiter an den Leiter der WWOOF, auf dessen Antwort ich jetzt noch warte, da er momentan nur per E-Mail erreichbar ist. Website ist down und Telefonnumer findet man nicht.
Zusammenfassung: Es lief richtig Scheisse die letzten Tage, aber es wird besser.

P.S.: Ich hab sicher wieder irgendwas vergessen uffzuschreiben. Wenn ihrs merkt, kommentiert oder fragt nach.

טחנה

Tachana – Mühle

Am Morgen des zweiten Tages ging es für mich erstmal ins nur 2 Minuten entfernte Davidstower-Museum. Hier konnte man die gesamte Entstehungsgeschichte von Jerusalem, angefangen von den biblischen Zeiten im sogennanten Land Kanaan bis heute anschauen. Für nur 30 NIS (ca. 5,5 €) bekommt man hier Einiges geboten und sollte mindestens 1,5 bis 2 Stunden einplanen, wenn man sich auch das Modell der Stadt Jerusalem anschauen möchte.

Vorher ging ich jedoch erstmal frühstücken. Ein kleiner Salat, Pita mit Falafel und leckeren frischen Orangensaft. So wie sich das gehört in Israel.

Nach dem Museum hab ich dann erstmal die Grabeskirche gesucht, in die mich eine Freundin geschickt hatte. Nur fand ich später heraus, dass sie völlig anders im Englischen hieß als ich vermutet hatte. Nicht etwa „Church of the tomb“ or „Jesus tomb church“ sondern „The church of the holy sepulchre“ – also die Kirche des heiligen Grabes. Grmpf.

Nachdem ich also die Grabeskirche nicht gefunden hatte, ging ich am Österreichen Hospiz vorbei, bog in die Via Dolorosa ein und kam beim Löwentor raus.

Dort war das Andere Ende des muslimischen Friedhofes, von dem ich euch schon im letzten Beitrag erzählt hatte. Da es Tag war und sich niemand in der Nähe befand, ging ich also den Weg über den Friedhof bis hin zum Goldenen Tor und schoss ein paar Fotos.

Danach war erstmal Mittagszeit für mich. Schnell zurück in die Altstadt und eine Portion Schawarma, meines Erachtens der bessere Döner, gegessen. Schawarma ist Kalbs- oder Hammefleisch, genauso wie Döner Kebab zubereitet, aber mit Tahina, sauren Gurken, Salat und was man sonst noch mag, in einer Pita oder auf dem Teller serviert. Und der Salat hat so richtig viele kleine Stückchen und nicht nur 2 Scheiben Gurke, eine Scheibe Tomate, wie beim Kebab in Deutschland üblich. Dafür gibts, verständlicherweise, keinen Fetakäse dazu.

Gut gesättigt unternahm ich das nächste Abenteuer und begab mich zum Felsendom, das bekannte Wahrzeichen Jerusalem wegen seiner großen goldenen Kuppel. Es ist zwar ein muslimisches Bauwerk, doch eint sein Inneres die Religionen, genauso wie es sie spaltet.

Er heißt Felsendom, weil sich in ihm ein Fels befindet, an dem der Legende nach Abraham seinen Sohn Isaak geopfert haben und der Prophet des Islams Mohammed gen Himmel gefahren sein soll.

Nun kann man ja davon halten was man will, aber das Bauwerk selbst ist für Jeden sehr beeindruckend und aus der Silouette von Jerusalem nicht mehr wegzudenken.

Was ich nicht wusste, aber später erfuhr, ist der Zutritt für nichtmuslimische Menschen nur vom Dungtor aus möglich. Da ich aber sowieso den Markt runtergelaufen und kurz vor dem Zugang zur Klagemauer war, wo auch das Dungtor sich anschließt, kam ich so ohne Probleme zum Tempelberg.

Danach rief ich erstmal Brenda an, sie hatte mir eigentlich einen Schlafplatz geben wollen, mir aber mitgeteilt, dass wir uns bei der Windmühle um 16 Uhr treffen und ich leider nicht bei ihr übernachten kann, da sie heute Abend wieder Erwarten schon Gäste hat.

Sei es drum ich legte mich noch eine Stunde aufs Uhr, stand dann 15 Uhr auf und beschloss erstmal im Mezada Hostel anzurufen, wo ich morgen übernachten wollte, ob den ein Zimmer frei sei.

Leider war genau das nicht der Fall und so beschloss ich lieber schon Donnerstags abzureise und den Freitag dann wieder im Kibbutz zu verbringen.

Da ich wusste, dass der Bus nach Eilat immer sehr voll ist, fuhr ich mit dem städtischen Bus Linie 20 hoch zur Central Bus Station um mir ein Ticket zu kaufen. Nur hatte der Busfahrer wohl einen schlechten Tag, blockierte erstmal für 10 Minuten die Kreuzung auf der Jaffa Street und kam dann auch den Berg nur im Schneckentempo hoch. Gut, es war grad Rush Hour…

Also war ich erst kurz vor 16 Uhr am Busbahnhof, hatte aber Brenda schon informiert, dass es später wurde.

Das Ticket war schnell gekauft. 70 NIS, also genau der selbe Preis wie hinzu.

Doch als ich wieder draußen war, sah ich dass die Polizei die Straße abgeriegelt hatte und alle Blicke auf die leere Haltestelle gerichtet waren, an der sich ein Fahrrad mit Gepäcktasche befand.

Die Polizei hatte gerade ein langes Seil um das Fahrrad gelegt und hob es hoch, um es wieder fallen zu lassen. Ein erleichtertes Stöhnen ging durch die Menge, als es nur mit einem sanften Krachen herunterfiel und keine Explosion folgte.

Dennoch holte man den Roboter zur Sicherheit, welcher so langsam fuhr, dass nochmal eine halbe Stunde verginge, ehe er das Fahrrad demontiert… oder sagen wir mal besser demoliert hatte und sichergestellt war, dass sich kein Sprengsatz darin befand.

Nun, das ist eben Jerusalem. Sowas passiert hier leider zu oft und mittlerweile haben sich die Leute daran gewöhnt. Doch für uns geneigten Europäer ist das immer noch ein kleines Schauspiel, wenn auch mit sehr miesem Hintergrund.

Ich war also über 1h zu spät, erst 17 Uhr, an der Windmill, welche von einem gewissen Montefiore gestiftet wurde um hier den Juden aus der Altstadt zu ermöglichen ihre Lebensgrundlagen zu sichern.

Inzwischen war das Projekt aber schon lange vorbei und so hatte man diese Gegend zu einem Künstlerviertel umgestaltet.

Viel interessanter für mich war aber die herrliche Aussicht, die man hier hatte. Von Rechts nach Links blickte man zuerst auf den Olivenberg, weit dahinter dann schon die Grenzmauer Jerusalems, dann ein Stück nach links die Altstadt mit dem Zionsberg und ganz weit links Mt. Scopus und das neue Jerusalem.

Später gingen wir dann noch durchs Viertel, an der hebräischen Universät, dem YMCA Center und dem sich im Bau befindlichen Waldorf Astoria vorbei und bogen in eine teure Einkaufsmeile ein.

Ziel war ein Buchladen, der sich das Geschäft mit CafeCafe teilte.

Danach musste sich Brenda leider bei mir verabschieden. Ihre Gäste würden jeden Augenblick eintreffen und ich wollte auch nochmal in die Altstadt, ein paar Dinge kaufen und mich ausruhen für den morgigen Tag, an dem es ins Holocaust-Museum Yad VaShem gehen sollte.

יום הכיפורים

Yom  haKippurim – Tag der Versöhnung

Nun ist er vorbei, der Tag der Tage – zumindestens im Judentum. 25h lang habe ich nichts gegessen, nichts getrunken, keine Schuhe getragen, mich nicht geduscht, nicht irgendwelche Arbeiten erledigt und auch keinen Ledergürtel getragen.

Für den Einen mag das vielleicht ein wenig zuviel des „Guten“ sein, für mich ist es aber genau das richtige Maß. Andere sind da noch härter.

Den ganzen Tag, angefangen bei gestern Abend, wurden verschiedene Gebete gesprochen, es wurde viel gesungen, aus der Tora vorgelesen und meditiert. Ja, auch Meditation ist ein Weg sich mit HaShem zu versöhnen.

Am Ende, also heute gegen 18:30 gab es endlich das langersehnte Abendessen. Leider nur vegetarisch und ich hatte erstmal keinen Hunger. Aber als ich die erste Portion Nudeln gegessen und ein paar Schluck Wasser getrunken hatte, kam das blöde Gefühl im Magen wieder auf. Also gabs dann noch drei Portionen Salat und zwei Eier.

Anschließend gingen wir zu Shirley, einer der Kibbutzniks um dort mit fremden Bewohner des Kibbutz gemeinsam das neue Jahr zu feiern. Das ist keine wirklich jüdisch-israelische Tradition, aber im Kibbutz ist es Brauch, dass man nach Yom Kippur die Türen seines Hauses öffnet und jedem Essen und Getränke anbietet.

Zu Beginn, als nur etwa 20 Leute da waren, stellte sich ein jeder vor und gab seine intimsten Geheimnisse preis.

Nein Quatsch. Man sagte seinen Namen und welche Massage man am Liebsten mag. Warum grad das? Ich hab keine Ahnung.

Dann ging der Abend weiter, an dem immer wieder Leute spontan aufstanden, lauthals Lobpreisungen auf den Kibbutz, den Herrn, die Kinder, die Alten oder was sonst auch immer aussprachen. Ich verstand leider nicht Alles, doch bekräftigte es mit einem „Amen“ oder „Halleluja“.

Aufeinmal fingen Leute an Lieder zu singen. Jeder in der Sprache des Landes, in welchem er geboren war. Also auf russisch, polnisch, spanisch, arabisch, slovakisch, englisch, niederländisch oder eben auch deutsch.

Zumindestens kam ich irgendwann an die Reihe und sollte ein Lied „be germanit“ – auf deutsch – singen. Mir fiel nur „Die Gedanken sind frei“ ein, aber der Text war mir zu Hälfte entfallen.

Wie behilft man sich da am Besten? Man schreibt Jemanden in Deutschland eine SMS, dass er doch mal bitte die erste Strophe des Liedes zusenden soll.

5 Minuten später konnte ich dann auch endlich den ganzen Text singen. Leider kein Lied zum mitklatschen oder laut schreien in diesen doch sehr orientalischen Freudenschreien, die so unnachahmbar sind, dass es mir selbst schwerfällt das onomatopoetisch zu beschreiben. Muss man mal selber gehört haben.

Irgendwann gegen 20:30 Uhr musste ich die Runde dann verlassen, da ich noch Wäsche waschen und meinen Rucksack für die Fahrt hoch nach Yerushalaim packen konnte.

Dummerweise hatte wohl jeder die Idee, seine Klamotten direkt nach Yom Kippur zu waschen und so reihe ich mich jetzt ein hinter 20 andere Wäschekörbe, die hoffentlich über Nacht alle gewaschen werden.

Also dann:

Ani oleh leYerushalaim machar.

Ich gehe morgen hoch nach Jerusalem.