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סביבון‎

Sevivon – Kreisel

Sevion, auch Dreidel (jiddisch) gennant, bezeichnet einen vierseitigen Kreisel, der von Kindern zu Chanukka benutzt wird, um sich Süßigkeiten zu erspielen.

Seine vier Buchstaben  נ  – Nun, ג – Gimel, ה – Hey und ש – Shin stehen für den Auspruch Nes gadol haja sham – „Ein großes Wunder geschah dort“, bzw. in Israel steht dann statt des ש ein פ – pey für po – „hier“.

http://www.youtube.com/watch?v=OFodbrlqbJI

ירקות

Jerackot – Gemüse (pl.)

So, heute ist Purim. Also der Feiertag zur Errettung der persischen Juden. Ich hab das ja schon grob in den Beiträgen des letzten und vorletzten Jahres erklärt. Nun die Geschichte kann man im Buch Esther und anderen Quellen nachlesen.

Ich werde mich nicht verkleiden und auch keinen Alkohol trinken, bis ich Freund von Feind nicht mehr unterscheiden kann, aber ich werde dem Fest angemessen auf Fleisch verzichten, so lange, wie es eben geht. Also schätzungsweise bis nächste Woche.

Chag Purim sameach.

גיבור

Gibor – Held

Mit dem Aufwachen, genauer um 04:58 Ortzeit beginnt morgen der Tag zu Ehren der jüdischen Heldin Esther, nämlich Taanit Esther – zu deutsch Fasten Esthers.

Das heißt also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gegen 18:36 werde ich nicht essen, noch Etwas trinken.

Um da nicht gänzlich aus den Latschen zu kippen, steh ich Etwas eher auf und trink wenigstens noch ein großes Glas Tee.

Tagsüber werde ich dann, sofern es mir mein Zeitplan erlaubt, die Megillat Esther (Schriftrolle Esther) lesen, also die gesamte Geschichte des Purimsfestes.

Hier im Folgendem eine Kurzfassung, die schriftliche Ausgabe zieht sich über 10 Kapitel und fasst ein kleines Buch mit 50 bis 100 Seiten.

Esther war Cousine von Mordechai. Dieser hatter einen Beraterposten am Hofe von Perserkönig Xerxes I. inne und erfuhr von ihm von der bevorstehenden Vernichtung aller Juden des persischen Reiches durch Haman.

Mittels einer List, sie verbarg ihre jüdische Identität, gelang es ihr zur neuen Königin und Ehefrau von Xerxes zu werden, wodurch sie den Völkermord an den Juden verhindert und im Gegenzug die Feine, die Amalekiter, umgebracht bzw. vertrieben werden.

Sei es drum, der Kern der Geschichte ist: Esther ist eine Heldin und war angeblich Vegetarierin, weswegen man an Purim ihr zu Ehren kein Fleisch isst.

Ich fang damit schon heute an, morgen wird ja gefastet und ess erstmal Spaghetti all’esther… äh all’arabbiata.

נס

Nes – Wunder

Nes gadol haja scham – „Ein großes Wunder geschah dort“, sagen wir hier in der Diaspora, wenn wir auf das Lichterfest Chanukka hinweisen wollen.

Matisyahu reiht sich nun ein in die Künstler, die kurz vor den Feiertagen passende Lieder herausbringen.

Miracle ein schönes poplastiges Lied mit einer einfacheren Botschaft: Glaubst Du an Wunder?

Ja, ein Wunder war es, als die Menora im 2. Tempel nach dessen Wiedereinweihung ganze acht Tage brannte, obwohl das Öl nur einen Tag gereicht hätte. Und täglich erleben Menschen kleine Wunder, die sie an das große Wunder glauben lassen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Dom_X7YXf8s[/youtube]

דג

Dag – Fisch

Das neue Jahr hat begonnen, doch noch sind die Feiertage nicht vorbei. Nach Rosh HaShana folgte gleich der Shabbat, dann ein halber Fastentag צוֹם גְּדַלְיָּה‎ Zom Gedaliah und direkt am Freitag findet Yom Kippur als wichtigster aller Feiertage statt. Wenig später folgt סוכות Sukkot, das Laubhüttenfest und anschließend שִׂמְחַת תּוֹרָה Simchat Torah.

Doch schön der Reihe nach.

Am Abend des vergangenen Mittwoch traf ich mich mit Freunden, allesamt גוי‎ Goi – Nichtjuden, um mit ihnen das neue Jahr zu begrüßen und so ihnen ein wenig ihre Wissenslücken über jüdische Religion zu stopfen.

Wichtig ist natürlich immer das Essen, was allesamt von sehr symbolischer Natur ist. Zu פֶּסַח Pessach essen wir vorallem bitter und salzig, um uns an den Auszug aus Ägypten und das damit verbundene Leid zu erinnern, aber zu Rosh Hashana gibt es nur süßes Speisen, die den Wunsch eines süßen, also durchweg positivem Jahr zum Ausdruck bringen sollen.

Als Vorspeise hatte ich mich für Borscht entschieden, da die roten Rüben den Hass in der Welt verbannen sollen. Dazu muss man wissen, dass das hebräische Wort für Beete סלק Silka der selben (Wort-) Wurzel entspringt wie das Wort für verbannen.

Eigentlich sollte es dann einen Karottensalat geben, aber irgendwie ist der mir in den Vorbereitungen verloren gegangen. Karotten sollen nämlich mit ihren langen Wurzeln an die Wurzeln des jüdischen Volkes erinnern.

Deswegen gab es nur einen Salat mit Granatäpfeln, welche das bekannteste Symbol für Rosh Hashana sind. Es werden ihnen verschieden, aber ähnliche Bedeutung beigemessen. Zum Einen heißt es, ein Granatäpfel hätte 613 Kerne, was genau den 613 מצוה Mitzwot, also Geboten und Verboten im Judentum entspricht. Andere sagen: Möget ihr euch mehren wie die Kerne dieses Apfels. Für Andere symbolisiert es den Sündenfall, auch wenn das Thema Sünde ein völlig Anderes als im Christentum ist (Dazu später mehr).

Als Hauptmahlzeit gab es Fisch. Ganz Dorade und Wildllachsteaks. Fisch, also genau genommen der Kopf, steht als Erinnerung daran, dass Alles mit dem Kopf getan werden sollte. Und die Augen der Fische, die sich auch im Schlafen nie schließen erinnern an das stets wache Auge G’ttes.

Die Nachspeise war Honigkuchen, auch wenn ich natürlich noch Apfelstücke mit Honig auf dem Tisch stehen hatte.

K. hatte noch einen Nudelsalat und ich einen Taboulehsalat zubereitet, der ein wenig Abwechslung für das Abendessen brachte.

Gedeckter Tisch

Tisch mit Kiddusch-Wein, Granatäpfeln, Feigen, Äpfeln, Honig und so weiter…

Zu Beginn, die Kerzen hatte ich schon um 19.20 Uhr entzündet, die Gäste kamen aber erst nach 20 Uhr, sprachen wir gemeinsam den קידוש Kiddusch: Ein Gast die deutsche Übersetzung, ich auf hebräisch. Auf andere ברחות Segen verzichtete ich vor den Anwesenden, bzw. hatte sie vorher schon leise gesprochen: beim Händewaschen, vor dem ersten Biss ins Brot und nach dem Anzünden der Kerzen.

Weit nach Mitternacht war dann unsere kleine Feier vorbei. Ich räumte noch ein wenig auf, ging dann in der Dunkelheit, mit einem Rest Brot an einen nahegelegenen Fluss und warf einige Brotkrummen ins Wasser.

Diesen Brauch nennt man Taschlich, was wortwörtlich „wirf!“ bedeutet und soll den Abwurf von Sünden, die man im Jahr wissentlich oder unwissentlich begangen hat, symbolisieren. Manche werfen auch Steine, aber ich hatte mich dieses Jahr spontan für Brot entschieden.

Was aber viel wichtiger als die Frage „Brot oder Steine?“ ist, die eigene Reflexion. War man gut, war man schlecht, hat man Verfehlungen begangen, hat man für Andere positiv gewirkt?

Doch nur mit „ein paar Krümel ins Wasser werfen“ ist es eben nicht getan. Es ist nur eine wertvolle Erinnerung daran.

Als das Brot fast alle warf, aß ich das letzte kleine Stück, quasi als Symbol für „Was ich dieses Jahr noch in Ordnung bringen muss“ und ging nach Hause.

Schlaf, genauer Schlaf tagsüber, ist an Rosh Hashana nicht unbedingt gut. Es dämmerte zwar noch nicht, aber ich war noch in Gedanken und wollte auch rechtzeitig beim Schofarblasen am Morgen da sein.

Also schlief ich nicht, nickte nur mal kurz weg und hörte mir noch ein paar Sendungen zu Rosh Hashana, beispielsweise diese an.

Rosh Hashana ist aber 2 Tage lang und ging somit quasi nahtlos in den ersten Shabbat des neuen Jahres über. Und dann kam Sonntag der Fastentag.

Dazu aber im nächsten Beitrag mehr.