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דג

Dag – Fisch

Das neue Jahr hat begonnen, doch noch sind die Feiertage nicht vorbei. Nach Rosh HaShana folgte gleich der Shabbat, dann ein halber Fastentag צוֹם גְּדַלְיָּה‎ Zom Gedaliah und direkt am Freitag findet Yom Kippur als wichtigster aller Feiertage statt. Wenig später folgt סוכות Sukkot, das Laubhüttenfest und anschließend שִׂמְחַת תּוֹרָה Simchat Torah.

Doch schön der Reihe nach.

Am Abend des vergangenen Mittwoch traf ich mich mit Freunden, allesamt גוי‎ Goi – Nichtjuden, um mit ihnen das neue Jahr zu begrüßen und so ihnen ein wenig ihre Wissenslücken über jüdische Religion zu stopfen.

Wichtig ist natürlich immer das Essen, was allesamt von sehr symbolischer Natur ist. Zu פֶּסַח Pessach essen wir vorallem bitter und salzig, um uns an den Auszug aus Ägypten und das damit verbundene Leid zu erinnern, aber zu Rosh Hashana gibt es nur süßes Speisen, die den Wunsch eines süßen, also durchweg positivem Jahr zum Ausdruck bringen sollen.

Als Vorspeise hatte ich mich für Borscht entschieden, da die roten Rüben den Hass in der Welt verbannen sollen. Dazu muss man wissen, dass das hebräische Wort für Beete סלק Silka der selben (Wort-) Wurzel entspringt wie das Wort für verbannen.

Eigentlich sollte es dann einen Karottensalat geben, aber irgendwie ist der mir in den Vorbereitungen verloren gegangen. Karotten sollen nämlich mit ihren langen Wurzeln an die Wurzeln des jüdischen Volkes erinnern.

Deswegen gab es nur einen Salat mit Granatäpfeln, welche das bekannteste Symbol für Rosh Hashana sind. Es werden ihnen verschieden, aber ähnliche Bedeutung beigemessen. Zum Einen heißt es, ein Granatäpfel hätte 613 Kerne, was genau den 613 מצוה Mitzwot, also Geboten und Verboten im Judentum entspricht. Andere sagen: Möget ihr euch mehren wie die Kerne dieses Apfels. Für Andere symbolisiert es den Sündenfall, auch wenn das Thema Sünde ein völlig Anderes als im Christentum ist (Dazu später mehr).

Als Hauptmahlzeit gab es Fisch. Ganz Dorade und Wildllachsteaks. Fisch, also genau genommen der Kopf, steht als Erinnerung daran, dass Alles mit dem Kopf getan werden sollte. Und die Augen der Fische, die sich auch im Schlafen nie schließen erinnern an das stets wache Auge G’ttes.

Die Nachspeise war Honigkuchen, auch wenn ich natürlich noch Apfelstücke mit Honig auf dem Tisch stehen hatte.

K. hatte noch einen Nudelsalat und ich einen Taboulehsalat zubereitet, der ein wenig Abwechslung für das Abendessen brachte.

Gedeckter Tisch

Tisch mit Kiddusch-Wein, Granatäpfeln, Feigen, Äpfeln, Honig und so weiter…

Zu Beginn, die Kerzen hatte ich schon um 19.20 Uhr entzündet, die Gäste kamen aber erst nach 20 Uhr, sprachen wir gemeinsam den קידוש Kiddusch: Ein Gast die deutsche Übersetzung, ich auf hebräisch. Auf andere ברחות Segen verzichtete ich vor den Anwesenden, bzw. hatte sie vorher schon leise gesprochen: beim Händewaschen, vor dem ersten Biss ins Brot und nach dem Anzünden der Kerzen.

Weit nach Mitternacht war dann unsere kleine Feier vorbei. Ich räumte noch ein wenig auf, ging dann in der Dunkelheit, mit einem Rest Brot an einen nahegelegenen Fluss und warf einige Brotkrummen ins Wasser.

Diesen Brauch nennt man Taschlich, was wortwörtlich „wirf!“ bedeutet und soll den Abwurf von Sünden, die man im Jahr wissentlich oder unwissentlich begangen hat, symbolisieren. Manche werfen auch Steine, aber ich hatte mich dieses Jahr spontan für Brot entschieden.

Was aber viel wichtiger als die Frage „Brot oder Steine?“ ist, die eigene Reflexion. War man gut, war man schlecht, hat man Verfehlungen begangen, hat man für Andere positiv gewirkt?

Doch nur mit „ein paar Krümel ins Wasser werfen“ ist es eben nicht getan. Es ist nur eine wertvolle Erinnerung daran.

Als das Brot fast alle warf, aß ich das letzte kleine Stück, quasi als Symbol für „Was ich dieses Jahr noch in Ordnung bringen muss“ und ging nach Hause.

Schlaf, genauer Schlaf tagsüber, ist an Rosh Hashana nicht unbedingt gut. Es dämmerte zwar noch nicht, aber ich war noch in Gedanken und wollte auch rechtzeitig beim Schofarblasen am Morgen da sein.

Also schlief ich nicht, nickte nur mal kurz weg und hörte mir noch ein paar Sendungen zu Rosh Hashana, beispielsweise diese an.

Rosh Hashana ist aber 2 Tage lang und ging somit quasi nahtlos in den ersten Shabbat des neuen Jahres über. Und dann kam Sonntag der Fastentag.

Dazu aber im nächsten Beitrag mehr.

המולה

Hamula – Lärm

Ende Januar wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Matisyahu in Tel Aviv ein Konzert geben würde und eine Woche später hatte ich dann herausgefunden, dass die Goatruppe Infected Mushroom zusammen mit ihm auftreten würde.

Ich kannte Infected Mushroom nur vom Sagen, doch die Lieder, die ich auf youtube fand, gefielen mir auf Anhieb und so bestellte ich mir problemlos auf der Website des Veranstalters ein paar Karten.

Da das Konzert in der Woche am Donnerstagabend stattfand, nahm ich mir natürlich den Freitag frei.

Am besagten Tag fuhren dann Christin, Natan, David und Ian nach Afula, um einen der vielene Busse nach Tel Aviv zu ergattern, die aber eben voller Soldaten waren, da diese Meistens Freitag frei haben.

So waren Christin, Natan und ich schon im Bus, während Ian und David ihr Gepäck verstauten, was sie aber zwei Minuten später wieder aus dem Laderaum holen konnten, da der Bus hoffnungslos überfüllt war.

Nach knapp 2h waren wir dann zu dritt in Tel Aviv, Savidor Hauptbahnhof und fuhren mit dem Zug eine Station zur Haltestelle der Universität an welcher sich das Fair Trade & Convention Center befand.

Dort angekommen mussten wir uns aber erstmal einen Kaffee einverleiben. Natan und ich hatten bis um 2 Uhr gearbeitet, keinen Schlaf gehabt und im Bus war es zu laut um ein wenig auszuspannen. Nur Christin, die im Kuhstall arbeitet, hatte diesen Tag schon frei und war entsprechend ausgeruht.

Auf dem Messegelände fand, zu unserer Belustigung, auch eine „Wine Expo“ statt und wir sahen schon die ersten Päärchen torckelnd mit Gläsern aus der Hand über das Gelände spazieren. Es war ja auch schon 20 Uhr!

Vorm Eingang zum Pavillion 1, wo das Konzert stattfinden sollte, war jedoch gar nichts los. Es lag nur ein riesiger Haufen Schnee davor. Woher auch immer der kam…

Doch eigentlich wollten wir nur unsere Tickets erstmal holen und dann nochmal in die City fahren, Etwas essen und das eine odere andere Bier trinken, aber nicht mal die hauseigene Security wusste überhaupt, an wen man sich hier wenden sollte.

Wir kontaktierten erstmal David, der mit Ian bereits in Tel Aviv angekommen war und erklärten Ian die Route zum Messegelände.

Doch nach 1h war dieser immer noch nicht da. David war zu Freunden unterwegs und Ian ohne Mobiltelefon.

Unsere Tickets bekamen wir dann auch endlich. Ich musste nur die E-Mail mit der Bestellbestätigung vorzeigen und bekam die Eintrittskarten im Briefumschlag.

Dann noch 15 Minuten Schlange stehen, voller Bodycheck durch jeweils männliche oder weibliche Security, Rucksack kurz gefilzt und ab in die Halle.

Die Halle, also Pavillion 1, ist schätzungsweise so groß, wie eine Messehalle und es waren schon schätzungsweise 500 Menschen dabei, tanzenderweise sich durch den Raum zu bewegen.

In der Mitte der Halle war eine Bar, die im Akkord Bier und Cocktails zu horrenden Preise ausgab. Wir verkniffen uns die 26 Shekel für ein 0,33er Heineken aus dem Plastikbecher und liefen lieber noch ein wenig herum, bestaunten die ersten Partyleichen und warteten auf Infected Mushroom und Matisyahu.

Es war 0.30 Uhr als endlich die Band auf die Bühne kam. Wir hatten uns jetzt zweieinhalb Stunden geduldet und zugesehen, wie sich die Halle füllte und immer mehr Leute sich extatisch zu den Bässen bewegten.

Unerwarteterweise starteten sie mit eher rockigen Titeln, bis Matisyahu zusammen mit ihnen „One day“ spielte.

Wir gaben uns also den Klängen hin, ließen die Körperzellen rocken und uns vom Schweiß und Rauchdunst einnebeln.

Gegen 3.30 Uhr stiegen wir total geschafft in ein Taxi, was uns in auf den Dizengoff Square mitten in der Innenstadt Tel Avivs fuhr.

Nocheinmal ließen wir den Abend bei einer Portion Schawarma Revue passieren und beschlossen noch ein wenig über den Carmel Shuk zu bummeln, bevor es dann gegen 6 Uhr mit dem Bus nach Hause ging.

Das Konzert war wirklich großartig. Ich bin wirklich kein Fan von Goa und Ähnlichem, aber Infected Mushroom weiß auch mich zu rocken. Naja und über Matisyahu ist jeder Zweifel bei mir erhaben.

שיבה

Schiwa – Rückkehr

Nun bin ich wieder in Israel. Tel Aviv ersteinmal. Der vergangene Monat war, gelinde gesagt, kein wirklich guter Monat für mich.

Nicht nur, dass der Traum von 6 Monaten im Kibbutz jäh zu Ende war, nein auch die nachfolgenen Tage und Wochen brachten nichts Gutes sondern jede Menge emotionale wie körperliche Anstrengungen mit sich, die mich schier verzweifeln ließen.

Das mein Studium zu Ende war, damit hatte ich mich ja irgendwie noch arrangieren können, doch irgendwie schien es mir von Tag zu Tag so, als wäre es besser gewesen, hätte ich versuch die Wartezeit auf einen neuen Kibbutz lieber hier, in Israel, zu verbringen anstatt von einem Tag auf den Anderen nach Hause zu fliegen und Chaos zu stiften.

Die letzte Novemberwoche war dann die Härte. Ich hatte 3 Wochen gewartet, dass sich das Kibbutz Program Center endlich bei mir meldete.

Als am Sonntag immer noch keine Mail von Ihnen kam, schrieb ich selbst eine und wartete bis Dienstag auf Antwort.

Dann rief ich an, ich hatte von einer Mitarbeiterin die Mobilfunknummer bekommen und versuchte so mein Glück.

Doch kaum hatte ich meinen Namen genannt, legte sie auf. „Schönen Dank auch!“ dachte ich mir und war ziemlich entmutigt, hatte ich doch ewig darauf gewartet, endlich zu wissen, wo ich die nächsten Wochen und Monate verbringe.

Kaum hatte ich mich, am Donnerstag, zwangsweise arbeitslos gemeldet, bekam ich dann doch eine E-Mail vom KPC in dem man mir mitteilte, dass man einen Kibbutz für mich finden wöllte und ich doch bitte sagen solle, wann ich zurückkehren würde.

Prompt teilte ich ihnen mit, dass ich nach wie vor ein Flugticket für den 1. Dezember habe, gewillt bin 3 Monate nochmal in einem Kibbutz zu verbringen und mich darauf freue, dass man mir endlich antwortet.

Aber Pustekuchen. Ich bekam zu hören, dass ich mich hätte melden sollen, sobald ich in Israel sei und man frühstens Mitte Dezember einen Kibbutz mir in Aussicht stellen könne. Außerdem solle ich mich doch bitte selber um mein Visum kümmern, da die KPC nicht der Meinung seie, dass ich erneut eins bekäme.

So stand nun wieder alles auf der Kippe. Sollte ich nun am 1. Dezember hinfliegen, mit der Ungewissheit, dass ich vielleicht kein Visum bekäme und ich finanziell in 2 Wochen am Ende war? Oder sollte ich lieber die freie Zeit der Arbeitslosigkeit nutzen, mich Freunden und Familie widmen, mir einen Job in Deutschland suchen, endlich meinen Führerschein machen und ein neues Studium finden?

Immer wieder wechselte ich mit der KPC Mails, da ich von Ihnen die Versicherung wollte, dass sie ich in den Kibbutz kann, doch man ignorierte dass und verlangte lieber, dass ich Dokumente ausfülle, die ich schon 2 Mal ausgefüllt hatte und seit meinem ersten Besuch im KPC irgendwo denen vorlagen.

Am Tag vor dem Flug war ich dann eigentlich der Ansicht, dass es keinen Zweck hatte, ein Risiko einzugehen, da mir ganzheitlich eher nach Stabilität den Abenteuer war.

Doch dank der Überzeugungsarbeit zweier guter Freunde und letztlich dem entscheidenden Münzwurf nahm ich den Flieger bzw. erstmal den Bus nach Berlin und dann den Flieger nach Tel Aviv.

Nun bin ich hier. Habe ein Touristenvisum für 3 Monate, wofür ich leider noch schnell beim Check In ein Rückflugticket kaufen musste, da mir sonst die Einreise wirklich verweigert worden wäre und die KPC hatte mir schon „probably“ den Namen des Kibbutz mitgeteilt.

Allerdings brauch ich jetzt ein Volunteer Visa, was lt. KPC 14 Tage, also bis ich in den Kibbutz gehe, dauern wird.

Na mal sehen. Ich klopf erstmal bei denen an…

חרטה

Charata – Reue

Eine Woche ohne Blogeintrag. Viel zu berichten gibt es leider auch nicht. Montag bis Donnerstag das übliche Programm: Gemüse schnippeln fürs Frühstück, dann aufwaschen, Mittagessen vorbereiten, aufwaschen, Speisesaal reinigen usw.

Am Freitag morgen fühlte ich mich dann recht elend. Das Heimweh hatte mich fieberartig erwischt. Ich fühlte mich wieder wie in Tel Aviv: keinen Hunger, keinen Durst, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche. Nur dass ich in Tel Aviv dem Wetter die Schuld gab und hier ist es einfach eine Brise Heimweh, die mich ereilt.

Aber nun geht es wieder.

Freitag gabs dann wie üblich Shabbatdiener und hinterher Tee, Kaffee und Kuchen im Clubhaus. Da leider das Pub nicht offen hatte, mussten wir uns eine andere Beschäftigung suchen. Ich hab Juan, unseren neuen Voluntär aus Mexiko ein wenig auf den Zahn gefühlt. Er bestach mich mit leckeren Süßigkeiten aus Mexiko. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, da sie oft eine Mischung aus süß, scharf, salzig und sauer sind.

Der Shabbat verging dann gewohntermaßen ruhig und am Sonntag, also heute, wurden 3 Uhr nachts die Uhren um eine Stunde zurück gestellt, so dass man in aller Ruhe ausschlafen konnte.

Für mich macht sich das sogar positiv bemerkbar, den jetzt wird es eher hell und da ich immer mit den ersten Sonnenstrahlen aufwache, brauch ich nicht mehr jedes Mal an das Stellen meines Weckers, den iPod touch, denken.

Morgen bzw. ab heute Abend beginnt ja der religiös gesehen wichtigste Feiertag: ום הכיפורים  Yom haKippurim bzw. im deutschen einfach Yom Kippur – Versöhnungstag.

Nun, mit wem versöhnt man sich den?

Zuallerst natürlich allen Leuten, von denen man meint, ihnen Unrecht getan zu haben. Seien es die Angehörigen, Freunde oder auch Fremde. Und man wünscht sich, dass man ins Buch eingeschrieben werde. Das heißt, ins „sefer chaim“ – das Buch des Lebens, in welchen alle Menschen stehen, die G’tt dem Herrn gefällig sind. Und das können alle Menschen sein, unabhängig ihres eigene Glaubens bzw. ihrer Überzeugung.

Somit wünsche ich auch Euch „Chatima tova!“

Andererseits möchte man sich auch mit G’tt versöhnen. Dies tut man an Yom Kippur kollektiv. Den ganzen Tag lang wird gebetet, bereut und um Vergebung gebeten. Dabei ist es jedem Selbst überlassen, wie oft er betet, ob er fastet – Yom Kippur ist ein bzw. der Fastentag von Vielen und ob man weiß trägt, wie es viele, auch hier im Kibbutz tun.

Unser Chefkoch Dani dagegen zieht es vor, außerhalb des Kibbutz, ein Barbecue zu veranstalten. Der olle Rebell, der.

Hier im Kibbutz gibts morgen erst Abends wieder Essen, heute auch nur bis 17 Uhr. Auch ist es verboten, draußen zu essen und schon gar nicht erlaubt sind Feuer machen, arbeiten oder sonstige Tätigkeiten. Quasi ein radikaler Shabbat.

Doch nun zurück zu dem heutigen Tag an dem, ironischerweise, gleich ein paar Leute bestraft wurden für ihre Sünden, gewissermaßen.

Unsere Chefin Siggi legte sich erstmal volllängs in der Küche hin, vor versammelter Mannschaft. Sie tat sich zwar nicht weh, aber ihr war das schon sehr peinlich.

Daniel hat sich dann, keine 10 Minuten später, den Arm am Herd versenkt und ich bekam auch mein Fett weg und schnitt mir zweimal tief in die Finger. Nun… was das wohl bedeuten mag?

Gegen 13:30 waren wir dann soweit fertig. Der Saal war für das letzte Dinner vorm langen Tag ohne Essen festlich gedeckt, die ewigen Lichter an alle Kibbutzbewohner ausgeteilt und die Küche war picobello sauber.

Nun werd ich mich noch eine Weile ausruhen, dann mir den Wanst vollschlagen und anschließend meine geistig-körperliche Reinigung starten und mich mit dem Herrn hoffentlich versöhnen. Und wenn nicht, dann versuch ichs nächstes Jahr wieder.

Ja und ansonsten: Am Dienstagmorgen gehts hinauf nach Jerusalem. Ich nehme das Macbook nicht mit, daher versorge ich euch per Twitter oder schreibe dann am Sonntagabend alles.

Donnerstag fahr ich dann nach Masada, übernachte dort, fahr wieder in den Kibbutz und arbeite Abends von 17:30 bis 22 Uhr.

Und dann ist Shabbat. Und Sukkot. Man, wird das ne Woche.

Leschana towa tikatewu wetechatemu!

Möget ihr eingeschrieben und besiegelt werden für ein gutes Jahr!

ראֹשׁ הַשָּׁנָה‎

Rosh HaShana – Haupt des Jahres

So, nun ist das Feierwochenende Rosh HaShana vorbei. Ich hab jede Menge gegessen, bestimmt tausende von Kilo zugenommen und bin um einige Erfahrungen reicher. Das Sprichtwort: „Hart arbeiten, hart feiern“ trifft hier im Kibbutz auf die meisten seiner Bewohner vollkommen zu.

Der Freitag begann, wie ich euch schon im Vorfeld berichtet hab, erstmal für mich mit der Toranut-Schicht um 18 Uhr. Es ging zwar sehr entspannt damit los die jeweiligen Speisen auf den Platten zu arrangieren und das Wasser, sowie den Wein vorzubereiten, aber gegen Ende wurde es doch sehr stressig und anstrengend. Doch dazu später mehr.

Es sollte am Freitagabend geschmorrtes Fleisch vom Rind, ganze Hühner, ganze Fische und gefillte Fisch, sowie für die Vegetarier Zuccini gefüllt mit Tofuhack oder einen Tofu-Pie, also Tofumasse in Blätterteig, geben. Als Beilage Brokkolie und Reis. Außerdem gabs noch ein paar kleine Salate: Rote Beete und Erbsen-Möhren.

Der Fisch war mir nicht bekannt, sah aus wie eine Brasse und sollte laut Chefkoch Dani aus dem Jordan kommen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob er den Fluss Jordan oder das Land Jordanien meinte. Er bezeichnete den Fisch jedenfalls als „Distgusting“ und er behielt Recht. Er schmeckte wie Karpfen – modrig, sumpfig – einfach gewöhnungsbedürftig.

Das Fleisch war dafür umso besser. Doch erstmal musste ich es von den großen Trays auf die kleinen Platten laden, was nicht grad einfach war, da ich mich, trotz des Toranut, mit schwarzer Hose und weißem Hemd, festlich gekleidet hatte und aufpassen musste nicht zu kleckern. Gelang mir dann aber ganz gut.

Das nächste Problem waren die Hühner. Sie wurden im Ganzen an den Tisch gebracht, was am Ende Schade war, da wir über die Hälfte wieder zurückbekamen, nur mit einem Bein oder einem Flügel weniger.

Die anderen Speisen waren relativ leicht zu servieren. Nervig dabei war nur, dass die Hälfte der Gäste draußen saß und der Weg dahin mit dem Trolley nur sehr eingeschränkt zu befahren ist, so dass wir das Meiste einzeln hinaus bringen mussten.

Nachdem ich auch Etwas gegessen, Freunden mit einem Glas Wein „Shana tova“ gewünscht und mich ein wenig erholt hatte, ging es an den stressigen Teil.

Innerhalb von 30 Minuten kamen ein Großteil der Leute und brachten ihr Geschirr zurück. Da wir viele Gäste hatten, waren es doch über 180 Personen beim Festessen. So könnt ihr euch vorstellen, wieviel Stress aufeinmal im Dishwasher-Room aufkam, da wir nur einen Geschirrspüler haben und jedes Geschirr einzeln per Hand in dem großen „Waschbecken“ – eine riesige Edelstahlwanne – vorwaschen müssen.

So waren Sean und ich 1h lang damit beschäftig das Geschirr zu spülen, im Akkord. 3 Minuten brauch der Geschirrspüler, das Geschirr kommt kochend heiß heraus und wurde von uns sofort zurück in den Geschirrwaggen gestellt.

Danach war aufräumen und putzen angesagt. Ganz Besonders traurig war ich, als ich die Essenreste wegwerfen musste. Aber Siggi, unsere Chefin, wollte es ja unbedingt so. 3 Tonnen a ca. 25 Kilogramm Kompost…

Es war 22 Uhr, als wir endlich fertig waren. Jeder sackte sich noch schnell eine Flasche Wein oder ein wenig beseite gelegtes Essen ein und dann ging es raus.

Die Party war verhältnismäßig ruhig, da gerade die Kinder ins Bett gebracht wurden und die Leute in meinem Alter sich zurückgezogen hatte um nochmal eine Runde zu schlafen, bevor es ins Pub ging.

So war der Beginn des Jahres am Ende doch recht gemütlich.

Am Samstag morgen, gegen um 9, gab es für mich dann Frühstück. Entgegen dem unter der Woche fiel es recht spärlich aus, da es keine warmen Speisen gab.

Auch das Mittagessen war ähnlich, aber dafür fand ja dann am Abend das große Fressen statt. Es gab wieder jede Menge Fleisch, diesmal Pute sowie Thunfisch.

Ganz wichtig waren aber Brot und Wein, Honig, Granatapfel, Datteln Karotten und Rote Bete, die allesamt mit einem kurzen Spruch gesegnet wurden.

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Nach dem Essen saß ich noch eine Weile draußen mit ein paar Eco-Volunteers und unterhielt mich, bis ein Rabbiner dazu kam und uns die Bedeutung von verschiedenen Dingen erklärte. Beispielsweise die des Festes Purim, was aber erst Ende Februar 2010 wieder stattfinden wird, erklärte.

Der Sonntag, Rosh Hashana Beth, ging dann für mich gegen um 9 Uhr los. Das Frühstück war ebenso unüppig wie am Shabbatmorgen, aber ich hatte eine Mango ergattert und so konnte ich ohne knurrend Magen zum G’ttesdienst um 10 Uhr gehen.

Die Sidur wird zu den hohen Feiertagen Rosh Hashana und Yom Kippur Mahazor gennant. Mahazor bedeutet soviel wie Wiederholung und unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von einem normalen Shabbat oder Feiertagsdienst.

Beispielsweise haben wir neben den sonst üblichen Liedern dass Avinu Malkenu (Unser Vater, unser König) gesungen und für die Verstorbenen, die Kinder, die Reisenden und die „auf eine Antwort wartenden“ aus der Tora vorgelesen und gebetet.

Insgesamt ging die Machzor ca. 2,5h und schloß mit mehrfachen Shofarblasen in bestimmten Reihenfolgen ab, was man auf Hagalil ganz gut nachlesen kann.

Direkt im Anschluss, um 12:30 Uhr ging es dann für mich zum Mittagessen. Wieder kaltes Buffet. Und heute Abend gibts leider gar keins. Naja, ich hab ja noch Datteln, Äpfel und Rimon.

LeSchanah towah tikhatew vetechatem lealtar leChajim towim!