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מרום

Marom – Gipfel

Heute hab ich mich mal als Gipfelstürmer bewiesen. Nun gut, es galt 500 Höhenmeter zu überwinden. Vom Fuße des Carmelgebirges, einem 23km breiten und 10km langem Bergmassiv, an dem sich die Stadt Haifa förmlich anschmiegt, ging es hinauf.

Nach ca. 1h hatte ich die Hälfte des Aufstiegs geschafft, doch bis ganz zur Spitze waren es dann nochmal knapp 40 Minuten in den niedrigsten Gängen, die das Fahrrad hergab. Netterweise ist mein Gastgeber Fahrradlehrer, oder soetwas Ähnliches und verfügt über ein ansehnliches Arsenal an Zweirädern und Equipment.

Oben angekommen befand ich mich plötzlich inmitten des Campus der Universität von Haifa wieder. Interessante Idee, die Hochschule auf dem höchsten Punkt des Gebietes zu errichten. Wohl dem, der eisern jeden Tag mit dem Rad zur Uni fährt.

Der Campus, nebenbei auch mit Ausbildungszentrum von IBM Israel, ist zwar, der Lage wegen, wesentlich kleiner als beispielsweise der der TU Dresden, aber auch hier spart man nicht an Sicherheitsmaßnahmen. Überall gibts Schranken, Taschenkontrollen und Sicherheitstüren.IMG_0884.JPG

Dafür hat man dann auch einen sehr schönen Blick auf die Umgebung, bis hin nach Akko, hoch in den Norden, wo schon der Libanon angrenzt, aber auch weit in den Süden, Osten und natürlich auf Haifa.

Nachdem ich noch in der Mall, die direkt im Campus liegt, mir einen Kaffee zu Gemüte geführt und meine Wasserflasche aufgefüllt hatte, ließ ich mich in aller Seelenruhe den Berg hinabrollen, bis ich irgendwann an einer Kreuzung stand, an der ich der Meinung war, ich wäre bereits zu weit unten.

Ein kurzes Telefonat mit Roy, meinem Gastgeber und ich wusste wieder, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Doch zuerst ging ich mal in eine Bäckerei – מאפייה – Mafija genannt. Ja ich weiß schon, die Assoziationen zwischen Bäcker und Mafia mögen da sein, aber dort ging es alles Andere als mafiös zu. In den Auslagen stapelten sich die Sufganiot und wurden zu sehr moderaten Preisen zwischen 3 und 9 ₪ verkauft.
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Ich entschied mich für vier der Günstigstens, mit Marmeladenfüllung und zwei der Teuersten mit Pistazie.

Anschließend gabs Mittagessen: ein prall gefülltes Sabich im Pitabrot mit allerlei Tomaten, Auberginen, Salaten, sauren Gurken und Ei.

Den Rest des Weges bergabwärts rollte ich dann gemütlich, vorbei an etlichen Wohnblöcken, Olivenbäumen und Bushaltestellen, die um die Zeit erstaunlich leer waren. Es ist doch Sonntag, haben die alle heute frei?

Sehr verschwitzt, trotz der immensen Kälte von 10°C und Wind aus westlicher Richtung, angekommen, gönnte ich mir eine heiße Dusche und anschließend gabs die Sufganiot zu einer Tasse Kaffee.

Leider ist Roy Chanukka nicht sehr zugetan, so dass ich ihn nicht mal dazu überreden konnte ein paar Kerzen anzuzünden, geschweige den, dass er welche hätte. Aber auf meiner heutigen Tour hab ich wenigstens ein paar Chanukkiot gesehen und morgen werde ich wohl in Tel Aviv mir Selbiges zulegen und dann vier Kerzen sachgerecht zum Leuchten bringen.

יְהִי אוֹר – Und es werde Licht!

נמל

Namel – Hafen

Dies ist ein Nachtrag zu meiner letzten Reise, nach Tel Aviv und Akko zwischen dem 26. und 28. September.

Ich hatte mir Ende des Monats drei Tage frei genommen, den ersten Bus nach Tel Aviv um 5:43 reserviert und stand sehr früh um 4:30 Uhr auf, ging eine Runde joggen, um nach einer ausgiebigen Dusche mit einem Kaffee und kurzem Imbiss in der Küche, wo ich zu dem Zeitpunkt noch arbeitete, zu essen.

Punkt 5:30 war ich an der Haltestelle und sah gerade einen Bus abfahren mit der Nummer 394. Doch mein Bus sollte ja erst in ca. einer Viertelstunde kommen, also war ich guter Dinge.

Doch als der Bus um ca. 6:10 immer noch nicht in Sicht war, checkte ich kurz meine Reservierung und sah, dass es doch die 394 war, die nach Tel Aviv fuhr.

Also hatte ich den Bus verpasst, weil er entgegen allen sonstigen Erfahrungen mit Bussen in Israel sehr früh an der Haltestelle war.

Ich ging also zurück in den Kibbutz, reservierte den übernächsten Bus um 8:43 Uhr und war ca. 20 Minuten vor möglicher Abfahrtszeit da. Der Bus kam, wie so oft, erst 10 Minuten später, aber das war ja egal. Vor mir lagen noch geschlagene viereinhalb Stunden Fahrt query durch den Negev, über Dimona, Be’er Sheva und hinein in den Gusch Dan – den Großraum Tel Aviv.

Doch genau an dem Punkt hakte es. Vor Rishon LeTzion staute es sich und so war ich statt 13:25 erst 14:40 am Busbahnhof von Tel Aviv.

Zum Glück kannte ich bereits die Abläufe, ging in die 4. Etage, wo die lokalen Buslinien abfuhren, nahm die Nummer 4 bis zur Gordon Street und checkte im Gordons Inn, einem sehr schönen und preiswerten Hostel für 2 Nächte ein.

Eigentlich wollte ich mich dann am Nachmittag mit einer Bekannten treffen, die ich im Kibbutz kennengelernt hatte, doch sie fühlte sich nicht wohl, so dass wir das auf den nächsten Abend verschoben.

Mein Glück war, dass ich mir das Zimmer mit einem sehr netten, aus Marroko stammenden, Franzosen teilte, der zum ersten Mal in Tel Aviv war und so konnte ich ihm wenigstens ein wenig durch den Dschungel führen, Schawarma essen gehen und die Zeit totschlagen.

Am nächsten Morgen ging es, nach einem üppigen Frühstück im Hostel, zum Savidor Hauptbahnhof. Ein Ticket nach Akko kostete mich nur 64 Shekel, also etwas mehr als 11 €. Nicht viel mehr, als die Busfahrt vom Kibbutz nach Tel Aviv oder Jerusalem.

In ca. 1,5 Stunden ging es direkt an der Mittelmeerküste entlang, an den Städten Herzliya, Netanya, Hadera und schließlich Haifa vorbei, nach ‏עכו‎ – Akko.

In Akko angekommen verzichtete ich darauf, erst umständlich einen Bus zu suchen, der mich in die Altstadt bringt. Vom Zug aus konnte ich diese schon sehr gut sehen und wusste also, wo ich langlaufen müsste. Nach ca. 20 Minuten, mit kleinem Zwischenstopp an einem Imbissstand, kam ich dann an der Festungsmauer der Stadt an.Pirates?

Zuerst in einen, zur Erinnerung an die erfolglose Belagerung der Stadt durch Napolen Bonaparte, angelegten Palmenhain, in denen man die von seinen Truppen zurückgelassenen Kanonen demonstrativ ausstellte.

Den Rest des Weges in die Altstadt folgte ich einfach instinktiv den Touristen, die in Scharen durch die Gassen wanderten. Vorbei am Türkischen Basar, jede Mengen Moscheen, kleinen Kirchen und Synagogen über Marktplätze, durch enge Gassen und hin und wieder auch sehr schäbigen Hinterhöfen.

Am Hafen angekommen, wollte ich erstmal meine Aufgabe erfüllen, die mir eine gute Freundin zugetragen hatte. Sachleb in Akko.

Nun, das war gar nicht so leicht. Erstmal musste ich während meiner letzten zwei Monate ohne Google herausfinden was Sachleb ist. Jetzt weiß ich: Es ist eine Art Pudding mit Rosenwasser, Pistazien und sehr viel Zucker. Die Zubereitung und Konsistent kann stark varieren, daher Vorsicht.

Auch kennt man Sachleb noch unter den Namen Sahlep oder Saloop. Der Pudding wird im Original aus der Stärke einer Orchideenpflanze gewonnen. Ob das bei meinem Sachleb so war, konnte ich nicht nachvollziehen.

Ich fragte also in sehr vielen kleinen und größeren Restaurants, ob sie den Sachleb hätten und wurde immer nur an das nächste Lokal verwiesen. Ein Wirt jedoch meinte, er würde Sachleb nur herstellen, wenn es regnet. Also eher selten.

Fast schon wollte ich die Suche aufgeben, als ich auf die Idee kam in einer der zahlreichen Shishabars zu fragen, wo arabische Männer den ganzen Tag Pfeife rauchend und Backgammon spielend bei Tee und Keksen ihren Lebensabend verbringen.

Einer der Männer nickte, als ich fragte, wo es Sachleb gäbe und zeigte auf eine alte Holztür. Erst zögerte ich, aber er öffnete sie mir und ich sah, dass hinter der Shishabar noch ein kleines Lokal war, dass sehr einladen, aber auch dunkel aussah.

Ich stieg die Treppen hinab, sah mich umgeben von einem Dutzen Arabern, die mich die ganze Zeit anstarten. Zögerlich bestellte ich, auf hebräisch Sachleb und eine Pepsi Cola.

Fünf Minuten später wusste ich: Sachleb war die ganze Reise wert. Ich hab selten so ein leckeres Dessert, abgesehen von Mums unschlagbaren Mousse au Chocolat, gegessen und wer auch immer mal in den Orient fährt, sollte Sachleb gegessen haben.

Der Preis war ebenfalls verdächtig niedrig. 7 NIS fürs Sachleb, 5 NIS für eine Dose Pepsi Coke. Mit Strohhalm!

Ich verabschiedete mich bei der schweigsamen Meute mit einem gekonnten „Salam Aleikum!“ und stürzte mich wieder in Akkos Gassengetummel.

Doch plötzlich bemerkte ich, dass irgendwas hinter mir an meinem Rucksack zog. Ich drehte mich blitzartig um, ergriff den Arm eines sehr beleibten Mannes und sprach ihn an mit „Ma ata roze?“ – „Was willst Du“

Ich sah, dass er eine Tasche meines Rucksackes geöffnet hatte. Darin befand sich aber nichts weiter als ein paar Heftpflaster, die ich mir in Tel Aviv gekauft hatte.

Er gestikulierte wild, entgegnete mir irgendwas auf arabisch, englisch und hebräisch und zeigte mir mit einer Handbewegung, dass er den Reißverschluss der Tasche nur schließen wollte.

Ja und ich bin grad gestern erst auf die Welt gekommen…

Es hatten auch andere Leute bemerkt, was da vor sich ging und kamen hinzu. Einer fragte mich auf Englisch, was den los sei und ich erklärte ihm Alles.

Darauf schrieh er los, auf arabisch. Der Dieb versuchte sich zu verteidigen, doch aufeinmal standen 10 Leute um uns herum, Touristen blieben stehen und ich suchte verzweifelt nach der Popcorn-Tüte.

Mir wurde das irgendwann aber zuviel, da er ja nichts gestohlen hatte und ich auch keinen Stress gebrauchen konnte, bedankte und verabschiedete mich und ging meiner Wege.

Am späten Nachmittag traf ich dann wieder in Tel Aviv ein. Meine Bekannte hatte mir nun telefonisch komplett abgesagt, sie klang am Telefon sehr verschnupft und ich wünschte ihr gute Besserung.

Somit war der Abend unverplant, doch ich war ohnehin sehr müde und schlief erstmal bis 22 Uhr, bevor ich mich ins Nachtleben begab.

Am nächsten Morgen, so gegen 10, stand ich auf, frühstückte und fuhr zusammen mit dem Marrokaner zur Central Bus Station. Er wollte direkt nach Jerusalem, ich ein Ticket für die Rückfahrt kaufen.

Im Dizengoff Center, einem sehr großen Einkaufszentrum mitten in der Innenstadt, bekam ich dann endlich mal Snow Leopard, das neue Betriebssystem von Apple, sowie kleine Geschenke für Familie und so.

Somit waren dann 3 Tage Urlaub um. Gegen 18:30, pünktlich zum Abendessen, war ich wieder im Kibbutz.

Und von da an… lief Alles nicht so toll.

חול

Chol – Sand

Gestern Abend gabs hier einen kleinen Sandsturm, Sharav (hebräisch) oder Chamsin (arabisch) genannt. Nun klein war er nur in den Augen der Kibbutzniks. Ich sah vor lauter Sand, der um uns wehte gar nichts mehr und zudem war der Sand noch sehr heiß. Es fühlte sich an, als würde dir jemand mit einer heißen Bürste die Haut vom Körper schrubben.

Nun ja, ansonsten gab es nicht viel Neues. Eigentlich nur das Übliche: Sonntag bis Freitag in der Küche arbeiten und dann 24h relaxen.

Einziges persönliches Highlight ist, dass ich heute mal nach etlicher Zeit Fussball gespielt habe. Wer mich kennt, weiß, dass ich diesem Sport nicht sehr angetan bin, aber Daniel und Thomas haben mich so lange bequatscht, bis ich nachgegeben und mich ins Tor gestellt hab.

Es ging 15:30 los, bis es gegen 17 Uhr dunkel wurde. Doch die halbe Zeit wurde eher auf dem Spielfeld diskutiert, als gespielt. OK, wirklich richtig sportlich spielen kann man bei der Hitze ohnehin nicht. 40°C derzeit!

Abends, also jetzt, gabs dann leckere Limettenlimonade von unserem Mexikaner Juan, nach einem Rezept seiner Großmutter.

Was gibts sonst noch?

Ach ja, ich fahre am Montag nach Tel Aviv, werde mich vielleicht am Dienstag mit dem Zug nach Akko begeben und mir auch gegebenfalls die Hafenstadt Haifa ansehen. Geplant ist erstmal Tel Aviv, Shenkin Street und bisschen shopping auf dem Shuk.

Vielleicht gehts dann Abends auf ein Glas Wein ins Post Cafe…