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סביבון‎

Sevivon – Kreisel

Sevion, auch Dreidel (jiddisch) gennant, bezeichnet einen vierseitigen Kreisel, der von Kindern zu Chanukka benutzt wird, um sich Süßigkeiten zu erspielen.

Seine vier Buchstaben  נ  – Nun, ג – Gimel, ה – Hey und ש – Shin stehen für den Auspruch Nes gadol haja sham – „Ein großes Wunder geschah dort“, bzw. in Israel steht dann statt des ש ein פ – pey für po – „hier“.

http://www.youtube.com/watch?v=OFodbrlqbJI

החורף

haChoreph – Winter

Der Winter hat begonnen, überall liegt schon Schnee und es wird bereits vor 16 Uhr wieder dunkel. Überall sieht man schon Weihnachtsschmuck, es gibt Glühweinstände und in den Wohnungen werden jeden Sonntag Adventskerzen angezündet.

Doch auf für uns begann Mitte November, genau am 15., der Monat Kislew. Dieser wird dann am 25. Kislew (dem 8. 12) durch das Lichterfest Chanukka gekrönt.

Acht Tage lang werden wir dann jeden Abend eine Kerze mehr auf der Chanukkia entzünden, dazu Latkes, Sufganiot oder andere fettige Speisen essen.

Wie ich immer sage: Die Parallelen zu Weihnachten sind da, aber Chanukka basiert auf einer historischen Begebenheit die 164 Jahre vor der Geburt des christlichen Messias stattfand und ist eine Feier über den Sieg der Makkabäer gegen die Hellenen und ein Fest zur Wiedereinweihung des Zweiten Tempels zu Jerusalem.

Man könnte natürlich auch sagen, Chanukka ist auch ein Fest der Wiedergeburt jüdischen Lebens in Jerusalem, was Jahrzehnte durch die Griechen unterdrückt wurde.

Und das Wort Chanukka selbst bedeutet auch Weihe.

יגון

Jagon – Trauer

Trauern kann man um viele Dinge: den verlorenen Gegenstand, die Trennung vom Partner, einen bestimmten Tag den man gerne wieder hat, eine bestimmte Situation. Vorallem verbindet man mit Trauer immer Trennung, Abschied und den Tod.

Morgen begeht das gesamte jüdische Volk, sei es sakulär oder religiös, einen Trauertag, der gleich für fünf Unglücke steht.

Am Tag des 9. Aw wurde dem Volk Israel verkündigt, dass es noch 40 Jahre durch die Wüste wandern wird. Am selben Tag, viele Jahre später im Jahr  3174 unserer Zeitrechnung (586 v. Chr.) wurde Salomons, also der Erste Tempel, zerstört.

Genau am gleichen Tag, aber mehr als 500 Jahre später, fiel der Zweite Tempel den Römern zum Opfer und die bis heute andauernde Diaspora begang.

In der  römischen Kaiserzeit, zwischen 132 und 135 n. Chr., misslang der Aufstand von Simon Bar Kochba und endete in einer Niedermetzelung  vieler übrig gebliebener jüdischer Siedlungen im Römischen Reich.

Auch sagt man, an diesem Tag sei Jerusalem endgültig niedergegangen.

Und es gibt noch viele andere denkwürdig, für das jüdische Volk sehr negative Ereignisse, die diesem Tag zugeschrieben werden.

Man mag sicher geteilter Meinung sein, wenn historisch bedeutsame Tage auf immer das gleiche Datum fallen, aber manche Fakten lassen sich nur schwer leugnen. Der erste Weltkrieg begang beispielsweise auch am 9. Aw.

Ob nun g’ttliche Fügung oder mathematisch plausible Koinsistenz oder sowas wie Zufall, der 9. Aw ist ein Trauertag inmitten eines sonst von vielen frohen Festen geprägten Jahres.

Traditionell wird Trauer mit Fasten verbunden, sei es bei der Shiva, dem Trauern um die Toten oder am Yom Kippur, dem Tag der Versöhung in dem man eigentlich mehr die unausgeübten Wohltaten gegenüber seinen Mitmenschen bedauert.

Ich werde also jetzt noch ein hartgekochtes Ei essen und dann bis morgen die Sterne am Himmel zu sehen sind, nichts essen, nichts trinken, weder baden noch Haare kämen. Arbeiten gehen werd und darf ich jedoch.

תענית

Ta’anit – Fasten

Für Fasten gibt es eigentlich zwei Wörter צום zom und תענית ta’anit. Was nun genau der Unterschied ist, bzw. ob es überhaupt einen gibt, weiß ich nicht, aber vielleicht findet sich im Laufe der Zeit eine Erklärung.

Nun war der vergangene Sonntag ein solcher Fastentag der צוֹם גְּדַלְיָּה Zom Gedaliah, welcher uns an die Ermordung des letzten biblischen Stadthalters von Jerusalem namens Gedalja ben Achikam erinnern soll.

Mit seinem Tod verlor das Judentum endgültig seinen Halt im Land Judäa und verstreute sich in alle Winde bzw. ging ins Babylonische Exil. Prominentes Beispiel dafür war der Prophet Jeremia, welcher nach מצרים Mizraim also Ägypten ging.

Nun wird also immer am 3. des Monats Tischri gefastet. Da dieser aber auf den Shabbat fiel, wurde es auf den folgenden Tag, also den 4. Tischri verschoben. Diese Regel ist immer so üblich, mit Ausnahme des Jom Kippur. Wobei dieser auch einen Shabbat, nämlich den Shabbat aller Shabbatot, darstellt. Dazu im bald folgenden Beitrag mehr.

Allerdings handelt es sich beim Zom Gedaliah um einen der einfachen Fastentage, die nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang andauern, Andere dauern 25h, also einen ganzen Tag.

Fasten. Das heißt für mich und viele Andere sicherlich auch, den kompletten Verzicht auf Nahrung, fest oder flüssig. Das heißt also auch keine Getränke, wie Tee, Wasser oder was sonst noch bei sogenannten Fastenkuren empfohlen wird.

Natürlich brauch der Mensch Wasser. Wie er das Wasser für den Körper brauch, braucht mein Geist Nahrung in Form von Schrift (Bücher) und Wort (Gespräche, Diskussion) und meine Seele… tja meine Seele, die brauch eben Zuwendung in immaterieller Form: Liebe, Religion, G’tt – nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge.

Sehr schön ist das beschrieben in dem Lied „Got no water“ von Matisyahu und im Psalm 63:2-3 den er auch vertont hat.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=QFoawo_h2O0[/youtube]

Doch ich schweife ab…

Wie gesagt, gab es am Sonntag kein Essen. Ich war am Samstagabend noch auf einer Feierlichkeit, hatte aber weit vor Mitternacht nichts mehr gegessen und wachte mit relativ normalem Hunger auf. Doch gegen Mittag zeigten sich erste Anzeichen eines knurrende Magens.

Gegen Mittag wurde es dann kritischer, aber noch nicht unerträglich. Es ist nicht das erste Mal das ich faste, aber musste unentwegt an den vollgefüllten Kühlschrank, noch mit ein paar Rosh-Hashana-Resten, denken.

Abends, es war allerdings noch lange nicht 20:08, an dem ich wieder essen konnte, war plötzlich jegliches Hunger- und Durstgefühl verschwunden. Im Gegenteil fühlte ich mich sogar viel leichter und konzentrierter. Als hätte mein Körper plötzlich sich seiner, leider zu zahlreich, vorhandenen Energiereserven erinnert und diese aktiviert.

Als ich dann mir doch ein paar Nudeln zubereitet, bekam ich die sonst für mich normale Portion von 250g gar nicht vollständig runter. Und den Liter Mineralwasser trank ich eher aus reiner Vorsicht.

Montagmorgen wachte ich dann auf mit dem Gefühl, 5 Kilo leichter zu sein, die Waage zeigte aber gerade mal 0.5kg weniger, was im Grunde keine Veränderung bedeutete.

Doch das war quasi der rein weltliche Teil des Fastens.

Innerlich, damit meine ich vorallem geistig und seelisch, konnte ich viel mehr mich auf die Schrift konzentrieren, las ein paar Seiten, machte mir Gedanken, die immer klarer wurden, vergas quasi die Nöte meines Körpers und fühlte mich gegen Abend wirklich befreit von dieser unsäglichen inneren Taubheit, die mich des Öfteren überkommt.

Somit hatte Zom Gedaliah, immer noch ein Gedenktag, mir auch einen Teil dessen geben, was den tiefsten Wunsch unseres Volkes ausdrückt: שלום Shalom Frieden

מטייל

Metajell – Spaziergang

Gestern verließ ich schweren Herzens den Kibbutz. Doch zuvor gabs es noch am Donnerstag eine kleine Abschieds- und am Freitag die große Purimparty.

Zur Abschiedsfeier gabs natürlich reichlich zu Essen. Fleisch, Salate, Soßen, Bier und auch jede Menge Kuchen. Alles in allem aber hielt ich die Veranstaltung ruhig, da uns noch Purim bevor stand.

Purim, ein nichtbiblisches Fest, ist eine sehr feuchtfröhliche Veranstaltung, die die Erettung der Juden vor der drohenden Vernichtung durch Haman feiert.

Traditionell findet Purim am 14. Adar, also genau heute statt, aber da man im Kibbutz lieber am Sonntag arbeitet, feiert man am Freitag.

Da es üblich ist, sich an diesem Tag zu verkleiden, mussten also Kostüme her. Steffa und ich hatten zum Glück gleich auf Anhieb Etwas gefunden und so gingen wir als „Inmate“ – also Gefängnisinsassen zu der Party. Andere verkleideten sich als Hexe, Zauberer, Kampfroboter oder Zombie. Das Thema der diesjährigen Party war „Horror“.

Doch kaum waren wir im Auditorium, wo die Feierlichkeiten stattfinden sollten, merkten wir schnell dass sich nur ungefähr 10% an das Motto gehalten hatten und manche doch recht einfallslos bei der Wahl ihrer Kostüme waren.

Ein Hit waren jedoch Jurian und Emanuell, die sich aus dem Kostümverleih zwei Brautkleider ausgeliehen hatte und somit für einiges Gejohle sorgten..

Da es ein Mitzwot (Gebot) ist, sich an Purim zu betrinken, bis man Freund von Feind nicht mehr unterscheiden kann, gabs an diesem Abend auch kostenlos Alkohol.

Nein, stimmt nicht. Es gab bereits zum Mittagessen Bier.

Doch leider, oder sagen wir mal zu meinem Vorteil, war die Bar nicht sonderlich gut eingespielt und kannte nicht mal einen Tequila Sunrise, obwohl Grenadine, Tequila, Limettensirup und frischer Orangensaft vorhanden waren.

Nach ein paar Bier und erfolglosen Anläufen einen Cocktail statt eines Shots zu bekommen, fragte ich, ob man mir nicht einfach die Zutaten geben und ich mir das selber mixe.

Ich wurde jedoch hinter die Bar gebeten und kaum hatten andere Voluntäre das gesehen, kamen sie an und orderten Cocktails.

So gabs ein paar Runden Screwdriver, Tequila Sunrise und Rum Cola. Mehr gab die Bar leider nicht her.

Die Musik war Querbeet 70, 80 und 90er, doch erstaunlicher war, dass wirklich Menschen jeden Alters dort tanzten, selbst eine Lady, die wohl in den 20ern geboren sein muss.

Irgendwann, es wurde dann nach 1h hell, war ich wieder in meinem wärmenden Bett, wohlwissen, dass dies nun der letzte Tag im Kibbutz sei.

Beim Lunch sah ich dann die ersten Voluntäre wieder, von denen ich mich dann in wenigen Stunden wieder verabschieden würde.

Zum Glück gabs richtig gutes Essen und mein Magen war äußerst dankbar, wieder feste Nahrung zu bekommen.

Nach dem ich meine Koffer gepackt und noch 1h geschlafen hatte, wurde ich noch auf einen letzten Spaziergang rund um den Kibbutz eingeladen.

Wir liefen nochmals zu den Ställen, erst die Kühe, dann Kälber, Schafe und Hühner. Vorbei an den Orangenfeldern, Dattelpalmhainen und schließlich zurück ins Volunteers Camp.

Ich nahm meinen großen Rucksack, mein Begleiter den Kleinen. Die anderen Voluntäre schliefen, oder waren wohl unterwegs und so verabschiedete ich mich nur von Wenigen persönlich.

Doch ich hinterließ ein kleines Goodbye in Form eines noch schnell zusammengeschnippelten Salates. Inzwischen hatte ich mir einen Ruf als „the salad man“ gemacht, weil ich fast jeden Tag für Alle viele verschiedene Salate fürs Abendessen zubereitet hatte.

Wir liefen gemeinsam nochmal zu unserer Betreuerin Brenda, dann zur Küche, wo ich mein Gepäck wiegen wollte. Genau die erlaubten 20 Kg sollte mein Rucksack wiegen. Hatte ich soviel dazugepackt? Hergekommen war ich mit 8.

Und der kleine Rucksack wog auch schon 7,5. Die Waage musste einen Fehler haben.

Doch es war egal. Wir gingen langsam zum Tor, was sich netterweise genau vor unseren Augen schloss, aber es gab ja einen Weg vorbei.

Auf halben Weg zur Bushaltestelle hielt ein Van neben uns. Wir hielten uns nicht lange auf, umarmten uns, ich stieg in den Wagen und fuhr ohne einen Blick zurück nach Afula.

Als ich in den Bus nach Jerusalem einstieg, kam gerade „One Day“ von Matisyahu in der Version mit Infected Mushroom^ – eine nette Geste^.