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חוב

Chov – Schuld

Weil ich gerade danach gefragt wurde und dieser Tage ein Tweet herum ging, der dieses Thema anschnitt, hier nochmal für alle da draußen:

Jeshua (Jesus) von Nazareth wurde nicht durch Juden ermordet.

Das „die Juden“ Jesus ermordet bzw. ans Kreuz nageln ließen von den Römern ist eines der ältesten Klischees über Juden und meines Erachtens nach die Wurzel von Antisemitismus neben den Sozial- und Kulturneid.

Es ist allerdings durch nichts mehr haltbar. Es gibt zwar sicher neutestamentliche Zitate, die dies belegen sollen, aber sie sind kultur- und geschichtswissenschaftlich nicht belegbar.

Vielmehr denke ich persönlich, dass Jesus, welcher behauptete der leibliche Sohn G’ttes zu sein und sich gegen die Obrigkeiten, dass waren nun mal zweifelsohne die römischen Besatzer, auflehnte, ihnen ein Dorn im Auge war.

Das Judentum in der Zeit hatte sich weitestgehend mit den Römern unter Herodes arrangiert, auch wenn sie ihn nie als König ihrer selbst anerkennen konnten, denn er kam nachweislich nicht aus dem Hause Davids, also dem Stamm Juda.

Genausowenig eben Jesus und bis heute ist nach wie vor nicht belegt, dass er ein Nachfahre König Davids ist.

Somit kann und wird er niemals „König Israels“ bzw. König der Juden sein.

Was aber Fakt ist: Herodes Antipas (Sohn des Herodes) wurde sowohl von Johannes dem Täufer als Ehebrecher tituliert als auch von Jesus komplett in Frage gestellt, was man sich in der damaligen Zeit wohl einfach nicht erlauben konnte.

Heute würden wir solche Menschen, abseits ihrer vermuteten positiven Wirkung auf Mitmenschen, einfach nur ignorieren oder höchstens der Beleidigung anzeigen.

Damals kam eine Beleidigung des Königs einem Todesurteil gleich oder man wurde zumindest einer sehr drastischen Strafe zugeführt.

Ich weiß, ich stelle vieles etwas vereinfacht dar, aber ich verstehe absolut nicht, wieso in dem Vorwurf „Die Juden haben Jesus getötet“ immer eine Art Rechtfertigungsversuche für nachfolgende Verbrechen mitschwingt.

Mein Verständnis des christlichen Glaubens reicht soweit, dass ich Jesus als einen Prediger einer anderen Idee anerkenne, aber seine Idee ist nur ein Entwurf des Daseins und mehr nicht.

Quellen: welt.de und juedisches-recht.de

 

סתיו

Staw – HerbstHerbst Blätter

Für jeden, der Angst hat, einsam oder unglücklich ist, ist es bestimmt das beste Mittel, hinauszugehen, irgendwohin, wo er ganz allein ist, allein mit dem Himmel, der Natur und Gott. Dann erst, nur dann, fühlt man, dass alles so ist, wie es sein soll, und dass Gott die Menschen in der einfachen und schönen Natur glücklich sehen will. Solange es das noch gibt, und das wird es wohl immer, weiß ich, dass es unter allen Umständen auch einen Trost für jeden Kummer gibt. Und ich glaube fest, dass die Natur viel Schlimmes vertreiben kann.

Anne Frank

יגון

Jagon – Trauer

Trauern kann man um viele Dinge: den verlorenen Gegenstand, die Trennung vom Partner, einen bestimmten Tag den man gerne wieder hat, eine bestimmte Situation. Vorallem verbindet man mit Trauer immer Trennung, Abschied und den Tod.

Morgen begeht das gesamte jüdische Volk, sei es sakulär oder religiös, einen Trauertag, der gleich für fünf Unglücke steht.

Am Tag des 9. Aw wurde dem Volk Israel verkündigt, dass es noch 40 Jahre durch die Wüste wandern wird. Am selben Tag, viele Jahre später im Jahr  3174 unserer Zeitrechnung (586 v. Chr.) wurde Salomons, also der Erste Tempel, zerstört.

Genau am gleichen Tag, aber mehr als 500 Jahre später, fiel der Zweite Tempel den Römern zum Opfer und die bis heute andauernde Diaspora begang.

In der  römischen Kaiserzeit, zwischen 132 und 135 n. Chr., misslang der Aufstand von Simon Bar Kochba und endete in einer Niedermetzelung  vieler übrig gebliebener jüdischer Siedlungen im Römischen Reich.

Auch sagt man, an diesem Tag sei Jerusalem endgültig niedergegangen.

Und es gibt noch viele andere denkwürdig, für das jüdische Volk sehr negative Ereignisse, die diesem Tag zugeschrieben werden.

Man mag sicher geteilter Meinung sein, wenn historisch bedeutsame Tage auf immer das gleiche Datum fallen, aber manche Fakten lassen sich nur schwer leugnen. Der erste Weltkrieg begang beispielsweise auch am 9. Aw.

Ob nun g’ttliche Fügung oder mathematisch plausible Koinsistenz oder sowas wie Zufall, der 9. Aw ist ein Trauertag inmitten eines sonst von vielen frohen Festen geprägten Jahres.

Traditionell wird Trauer mit Fasten verbunden, sei es bei der Shiva, dem Trauern um die Toten oder am Yom Kippur, dem Tag der Versöhung in dem man eigentlich mehr die unausgeübten Wohltaten gegenüber seinen Mitmenschen bedauert.

Ich werde also jetzt noch ein hartgekochtes Ei essen und dann bis morgen die Sterne am Himmel zu sehen sind, nichts essen, nichts trinken, weder baden noch Haare kämen. Arbeiten gehen werd und darf ich jedoch.

נס

Nes – Wunder

Nes gadol haja scham – „Ein großes Wunder geschah dort“, sagen wir hier in der Diaspora, wenn wir auf das Lichterfest Chanukka hinweisen wollen.

Matisyahu reiht sich nun ein in die Künstler, die kurz vor den Feiertagen passende Lieder herausbringen.

Miracle ein schönes poplastiges Lied mit einer einfacheren Botschaft: Glaubst Du an Wunder?

Ja, ein Wunder war es, als die Menora im 2. Tempel nach dessen Wiedereinweihung ganze acht Tage brannte, obwohl das Öl nur einen Tag gereicht hätte. Und täglich erleben Menschen kleine Wunder, die sie an das große Wunder glauben lassen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Dom_X7YXf8s[/youtube]

תשובה

T’schuwa – Umkehr

T’schuwa heißt soviel wie Reue, Umkehr, Antwort oder Bescheid. Alles das bekam ich, im positiven wie im negativen Sinne, unmittelbar vor und auch während Yom Kippur.

Die direkt positive Antwort auf meine Ehrlichkeit am Donnerstag, nachzulesen hier, bekam ich in Form dessen, dass ich zwei unweigerlich verloren geglaubte Gegenstände widerfand, an der selben Stelle.

Zum Einen fand ich mein Mobiltelefon wieder, was ich kurz bevor ich nach Israel abreiste verloren hatte und mir viel Stress bereitete, da da etliche Nummern drauf waren, die ich auf das Ersatztelefon nicht übertragen konnte mit dem Laptop.

Und zum Anderen fand ich meine alte Armbanduhr wieder, die ich bestimmt schon seit 10 Jahren besaß und meinte, im Kibbutz gelassen zu haben. Viel mehr noch, hatte ich meinen Mitbewohner in Verdacht, da die Uhr soweit ich mich erinnern konnte, nicht wieder mit nach Deutschland ging. Aber offenbar lag ich da falsch, hatte sie mit zurück genommen und dann im November verloren, wie so vieles Anderes…

Doch auch meine Dummheit, ja schon fast bösartige Arroganz wurde umgehend bestraft, also wohl am Samstag, Yom Kippur, ein netter Brief eines Amtes ins Haus flattert. Ich war erst heute im Briefkasten, aber die Nachricht unmissverständlich.

Ja, ich hätte nicht unbedingt eine so reale , sagen wir plastische, Antwort erwartet, aber in den den Tagen der Umkehr, so nennt man die 10 Tage zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur, kann eben so vieles passieren, wie im Rest des Jahres auch. Das nun gerade zwei solche Dinge passieren, ein kleines persönliches Wunder ist das schon.

Yom Kippur selbst war dann wie immer ein sehr persönlicher Tag: 25h fasten, beten, ruhen – immer wieder. Man besinnt sich noch einmal auf das vergangen Jahr, wiegt Fehler ab, denkt über die schönen wie traurigen Momente nach, fragt sich, wieviel man getan und nicht getan hat oder haben könnte, erkennt, dass es letzten Endes sinnlos war, sich dem Negativen hinzugeben, da nur das Positive Frucht trägt und so weiter.

Alles in Allem war es ein sehr wichtiges Jahr für mich, mit herben Rückschlagen, die aber von vielen, spürbaren persönlichen Änderungen, einer enormen Gelassenheit und einer größeren Zuversicht aufgewogen werden. Mein Vertrauen in die Dinge, wie sie sind, ist gestiegen, mein Menschenbild ist ein kritischeres, aber ich habe viel mehr Respekt vor meiner Umwelt gewonnen und weiß nun wirklich, was dieses Glück ist, von dem Alle immer reden.

Mein Dank gilt an dieser Stelle alle jenen, die mich begleiten oder begleitet haben und auch jenen, die mich liegen liessen, die mich lehrten, aus eigener Kraft aufzustehen und denen ich eines Tages wieder unter die Augen trete, wenn sie ihre Augen senken und ich mein Haupt erheben kann.

Shalom u’vracha – Frieden und Segen (euch Allen)