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סביבון‎

Sevivon – Kreisel

Sevion, auch Dreidel (jiddisch) gennant, bezeichnet einen vierseitigen Kreisel, der von Kindern zu Chanukka benutzt wird, um sich Süßigkeiten zu erspielen.

Seine vier Buchstaben  נ  – Nun, ג – Gimel, ה – Hey und ש – Shin stehen für den Auspruch Nes gadol haja sham – „Ein großes Wunder geschah dort“, bzw. in Israel steht dann statt des ש ein פ – pey für po – „hier“.

http://www.youtube.com/watch?v=OFodbrlqbJI

שקיעה

Schkia – Sonnenuntergang

Die vergangen zwei Tage wareen dann nochmal sehr erholsam, wie auch ein wenig abenteuerlich. Nachdem ich im strömenden Regen den Har HaSetim (Berg der Oliven) also den Ölberg bestiegen hatte und wieder klitschnass ins Hostel eincheckte, wurde ich von einem doch etwas verrückten Franzosen vollgequatsch, der der Meinung war HaShem höchstpersönlich hätte zu ihm gesprochen und er müsse nun jeden Juden über seine Botschaft aufklären.

Was genau den diese Botschaft war, konnte ich dann leider doch nicht herausfinden, da wir einem kleinen babylonischen Problem unterlagen. Sein Englisch war so schlecht wie mein Französisch und so verstand ich nur ansatzweise, warum er jetzt Israelischer Staatsbürger werden und uns Juden „aufklären“ möchte.

Er selbst meint, er sei kein Christ, habe sogar Verachtung vorallem der katholischen Kirche und dem Papst gegenüber, aber sehe Jeshua schon als eine Art Meschiach.

Doch zum Glück waren auch noch andere Leute in dem Zimmer, dass wir uns zu sechst teilten und so konnten wir ihn dann irgendwann gewissermaßen beruhigen.

Ein Argentinier, ebenfalls Jude, lud mich dann ein mit seinem Kumpel noch ein wenig uns unters Volk zu mischen, denn immerhin war Purim trotz anhaltendem Regen in vollem Gange.

Draußen auf den Straßen tanzten, sangen und tranken vorallem junge Menschen. Allesamt kostümiert oder wenigstens mit etwas Schminke im Gesicht.

Vom klassischen Terroristenoutfit bis hin zur leicht bekleideten Zahnfee war alles dabei, was man sich vorstellen kann.

Irgendwann kurz vor 23 Uhr fanden wir uns in einem Pub wieder. Des Argentiniers Freund entpuppte sich als ein aus der Türkei stammender Sefard, der nun aber in London lebt und so entwickelten sich einige erstaunliche Gesprächsrunden.

Ohne zu meinen absoluten Hassthemen Sport, insbesondere Fussball, oder Wirtschaft zu kommen, unterhielten wir uns und tranken ein paar Bierchen.

Netterweise gabs zu jedem Bier einen Shot Vodka oder Tequila…

Am darauf folgenden Vormittag fuhr ich dann mit dem Bus nach Tel Aviv. Das Wetter besserte sich ein wenig, doch meine Laune war nicht gerade die Beste.

Zum Glück bekam ich genau im passenden Augenblick einen Anruf von Shera, die sich mit mir am Abend verabredet.

Nocheinmal lief ich durch Tel Aviv, über Dizengoff, Allenby, Sheinkin, Carmel Markt, Ben Yehuda und wie sie alle heißen und setzte mich letzten Endes an den Strand um dem Sonnenuntergang zuzusehen.

Kurz nach halb Sieben traf ich mich dann mit Shera auf der King George Street.

Sie schlug vor, ins Little Prag, was sich trotz meiner leichten Vorbehalte als ein echter Glücksgriff herausstellte.

Es handelte sich um eine wirklich authentisch tschechische Kneipe, mit den selben Ambieten, wie man es in einer guten Prager Bierstube vorfindet.

Die Preise waren zwar nicht gerade tschechisch, aber es gab Staropramen, Knedlik und Szegedinger Gulasch, wahlweise vom Rind oder Schwein.

Shera wollte zwar unbedingt eine Pretzel, mit Sauerrahm und Käse essen, doch die waren leider aus, so dass sie sich für eine Suppe entschied.

Nach zwei sehr schönen, lustigen zwei Stunden verließen wir das Restaurant wieder, steuerten noch ein kleines Straßencafe an und stellten aufgrund einer  Wortverwechselung fest, dass hebräisch eine wirklich schwere Sprache ist.

Auf dem Ben Gurion Boulevard verabschiedeten wir uns dann. Shera ging zur Marina, ich wieder zurück ins Hostel.

Unterwegs kaufte ich mir aber noch einen guten, frischgepressten Orangensaft.

המולה

Hamula – Lärm

Ende Januar wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Matisyahu in Tel Aviv ein Konzert geben würde und eine Woche später hatte ich dann herausgefunden, dass die Goatruppe Infected Mushroom zusammen mit ihm auftreten würde.

Ich kannte Infected Mushroom nur vom Sagen, doch die Lieder, die ich auf youtube fand, gefielen mir auf Anhieb und so bestellte ich mir problemlos auf der Website des Veranstalters ein paar Karten.

Da das Konzert in der Woche am Donnerstagabend stattfand, nahm ich mir natürlich den Freitag frei.

Am besagten Tag fuhren dann Christin, Natan, David und Ian nach Afula, um einen der vielene Busse nach Tel Aviv zu ergattern, die aber eben voller Soldaten waren, da diese Meistens Freitag frei haben.

So waren Christin, Natan und ich schon im Bus, während Ian und David ihr Gepäck verstauten, was sie aber zwei Minuten später wieder aus dem Laderaum holen konnten, da der Bus hoffnungslos überfüllt war.

Nach knapp 2h waren wir dann zu dritt in Tel Aviv, Savidor Hauptbahnhof und fuhren mit dem Zug eine Station zur Haltestelle der Universität an welcher sich das Fair Trade & Convention Center befand.

Dort angekommen mussten wir uns aber erstmal einen Kaffee einverleiben. Natan und ich hatten bis um 2 Uhr gearbeitet, keinen Schlaf gehabt und im Bus war es zu laut um ein wenig auszuspannen. Nur Christin, die im Kuhstall arbeitet, hatte diesen Tag schon frei und war entsprechend ausgeruht.

Auf dem Messegelände fand, zu unserer Belustigung, auch eine „Wine Expo“ statt und wir sahen schon die ersten Päärchen torckelnd mit Gläsern aus der Hand über das Gelände spazieren. Es war ja auch schon 20 Uhr!

Vorm Eingang zum Pavillion 1, wo das Konzert stattfinden sollte, war jedoch gar nichts los. Es lag nur ein riesiger Haufen Schnee davor. Woher auch immer der kam…

Doch eigentlich wollten wir nur unsere Tickets erstmal holen und dann nochmal in die City fahren, Etwas essen und das eine odere andere Bier trinken, aber nicht mal die hauseigene Security wusste überhaupt, an wen man sich hier wenden sollte.

Wir kontaktierten erstmal David, der mit Ian bereits in Tel Aviv angekommen war und erklärten Ian die Route zum Messegelände.

Doch nach 1h war dieser immer noch nicht da. David war zu Freunden unterwegs und Ian ohne Mobiltelefon.

Unsere Tickets bekamen wir dann auch endlich. Ich musste nur die E-Mail mit der Bestellbestätigung vorzeigen und bekam die Eintrittskarten im Briefumschlag.

Dann noch 15 Minuten Schlange stehen, voller Bodycheck durch jeweils männliche oder weibliche Security, Rucksack kurz gefilzt und ab in die Halle.

Die Halle, also Pavillion 1, ist schätzungsweise so groß, wie eine Messehalle und es waren schon schätzungsweise 500 Menschen dabei, tanzenderweise sich durch den Raum zu bewegen.

In der Mitte der Halle war eine Bar, die im Akkord Bier und Cocktails zu horrenden Preise ausgab. Wir verkniffen uns die 26 Shekel für ein 0,33er Heineken aus dem Plastikbecher und liefen lieber noch ein wenig herum, bestaunten die ersten Partyleichen und warteten auf Infected Mushroom und Matisyahu.

Es war 0.30 Uhr als endlich die Band auf die Bühne kam. Wir hatten uns jetzt zweieinhalb Stunden geduldet und zugesehen, wie sich die Halle füllte und immer mehr Leute sich extatisch zu den Bässen bewegten.

Unerwarteterweise starteten sie mit eher rockigen Titeln, bis Matisyahu zusammen mit ihnen „One day“ spielte.

Wir gaben uns also den Klängen hin, ließen die Körperzellen rocken und uns vom Schweiß und Rauchdunst einnebeln.

Gegen 3.30 Uhr stiegen wir total geschafft in ein Taxi, was uns in auf den Dizengoff Square mitten in der Innenstadt Tel Avivs fuhr.

Nocheinmal ließen wir den Abend bei einer Portion Schawarma Revue passieren und beschlossen noch ein wenig über den Carmel Shuk zu bummeln, bevor es dann gegen 6 Uhr mit dem Bus nach Hause ging.

Das Konzert war wirklich großartig. Ich bin wirklich kein Fan von Goa und Ähnlichem, aber Infected Mushroom weiß auch mich zu rocken. Naja und über Matisyahu ist jeder Zweifel bei mir erhaben.

אבן

Ewen – Stein

Am Samstag ging es für 15 Voluntäre nach Zippori, einer nicht weitentfernten alten Stadt, die von Juden und Römern lange Zeit in friedlicher Koexistenz besiedelt wurde.

Es gab also jede Menge alte Ruinen zu sehen. Jede Menge Steine, Säulen und Inschriften. Das interessanteste dabei waren aber die zahlreichen Steinmosaike, die zum Beispiel Abbildungen der berüchtigten Amazonen oder die Geschichte des Dionysos und Herakles, zeigen.

Zufälligerweise fand ausgerechnet die Schwester unserer Betreuerin Brenda diese Mosaike als Erste, so dass ihre Familie quasi mit der Wiederentdeckung Zipporis aufwuchs und man uns so sehr viel über die gesamte Entstehungsgeschichte und die Ausgrabungen erzählen konnte.

Neben den Mosaiken, die aus bis zu 1.5 Millionen nur 1×1 cm großen Steinchen bestehen können, gab es unweit einer Festung aus Zeiten der Kreuzzüge auch ein jüdische Dorf.

Man konnte es zwar kaum erkennen, aber man verfügte sogar über eine Mikwe, also ein Bad, was zu rituellen Zwecken benutzt wird.

Das ist umso erstaunlicher, als das dieses Dorf auf einem Berg lag und man für eine Mikwe immer fließendes Wasser brIMG_1130.JPGauch.

Gerade Wasser war das Thema, was Zippori eigentlich berühmt gemacht hat, den in langen unterirdischen Kanälen wurde das kühle Nass aus den umliegenden Bergen herangeführt mit umständlichen Pump und Walzanlagen.

Man fand außerdem auch noch Überreste eine Synagoge, was man vorallem an den in den Fußbodenplatten eingravierten Menora und einigen Münzen erkennen konnte, die man in der Nähe fand.

Nach der Tour durch die Steinlandschaften gingen wir zu Brendas Schwester, deren Moshav unmittelbar an das alte Zipporis grenzt und aßen dort ein ordentlichen israelischen Lunch bestehend aus: Pita, allerlei Gemüse, Hummus, Baba Ghanoush, Charif und Schnitzelim.

Schnitzelim. Auch so eine Eigenart der Israelis. Die Kinder wie Erwachsene sind verrückt nach Schnitzelim, was nichts Anderes sind als Putenschnitzel. Meisten zwar paniert und vorgekocht, aber nicht in der Pfanne gebraten sondern nur erwärmt. Oder eben auch kalt gegessen.

Brendas Schwester, ich hab leider ihren Namen nicht mehr in Erinnerung, lebt in einem Moshav, was eine Siedlung ähnlich einem Kibbutz ist, nur mit dem großen Unterschied, dass das Land und alles was sich darauf befindet Einem selbst gehört.

Sie bauen hauptsächlich Oliven und Tomaten an. Die Oliven um sehr gutes Olivenöl, natürlich Bio, herzustellen und die Tomaten sind nur Testreihen von Biobauern, die sie also nur anpflanzen aber nicht selbst nutzen.

Nebenbei haben sie noch ein kleines Cafe, was von Touristen wie den Moshavniks gleichermaßen genutzt wird und sehr günstig ist.

Der gesamte Moshav ist auf nachhaltigen Anbau, oder wie man das nennt, ausgerichtet. Jedes Haus wird ohne Beton, sondern nur mit Heu, Lehm und organischer Versieglung, zum Beispiel Eiweiß, gebaut.
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Irgendwann verließen wir die Gegend, nach einem sehr feurigen Sonnenuntergang, wieder und traten die Heimreise in dem sehr abenteuerlichen Baccara-Bus an.

Der „Bus“ ist eigentlich eine Sattelzugmaschine, auf die man einen alten Schulbus montiert hat. Sehr laut, sehr uneinladen und nicht wirklich komfortabel.

Sonntag hatte ich dann die glänzende Idee Chili zu kochen, bestehend aus den Restbeständen aus Burger- und Kebabfleisch, sowie dem, was ich noch im Markolit bekommen konnte. Außerdem war Poker Night angesagt.

Das hieß für jeden Mitspieler 10 Funny Money Einsatz, der 2. Platzierte bekam diesen zurück und der Gewinner bekam den Rest.

Wir waren 8 Spieler, also waren 80 FM im Pot. Es war 20 Uhr und jeder hatte einen Cocktail, sowie einen Haufen Pokerchips vor sich.

Gegen halb 11 saßen ich dann nur noch Arnudt gegenüber und konnte ihn mit ein paar Straight die letzten Chips wegnehmen, bevor er All-in gehen musste und von einem Full House in die Knie gezwungen wurde.

Ich hatte also wirklich doppelt Glück an dem Abend, den mein Chili kam sehr gut an und ich hatte die Unkosten durch den Gewinn von 60 FM locker wieder rein.

Head’s up!

ירושלים ב

„Allahu akbar“ tönt es aus den Lautsprechern des Minaretts. Es ist circa halb sechs Uhr Morgens und ich stehe aufrecht im Bett. Allah ist der Größte.

Eigentlich hatte ich meinen eigenen Wecker auf 6:30 Uhr gestellt, um bei Sonnenaufgang schöne Fotos von der Altstadt zu schießen, aber offenbar ging die Sonne an dem Tag eine Stunde eher auf. Draußen teilt das Licht die Nacht vom Tage langsam, doch mein Körper mag nicht wirklich aufstehen und so schiebe ich ihn erstmal unter die Dusche.

Frisch geduscht, mit einem eher kühlen Rinnsaal von Dusche und neu eingekleidet, in schwarze Hose, weißes Hemd, geh ich hinauf aufs Dach. Erstmal bete ich das Schacharit (Morgengebet).

Jerusalem in allen Richtungen, das Heiligtum, in Blickrichtung. Es ist Shabbat, aber dennoch hört man bereits das Klappern der Händler, die langsam den Shuk mit ihren Waren füllen werden.
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Trotz der frühen Zeit ist es recht warm, die Sonne färbt die alten Gemäuer golden und der Himmel ist strahlend blau. Genau richtig zum fotografieren, auch wenn ich damit ein Verbot des Shabbats breche. G’ttes Werk mag unvergänglich sein, aber eben nicht des Menschen Werk. Und grade die Stadt Jerusalem weiß das sehr wohl.

Gegen 10 sind dann auch Sigfus, Sebastian, Emmanuel und Ian wach, haben gefrühstückt und wir beschließen, das Hostel erstmal zu wechseln, da Emmanuel abreisen und Sebastian uns nur bis 14 Uhr begleiten wird.

Ian und ich möchten jedoch gerne erstmal wieder zur Klagemauer, deren Platz gleichzeitig auch eine Synagoge ist und am Shabbatg’ttesdienst teilnehmen.

So laufen wir fünf also mit vollem Gepäck den Shuk hinunter, werden von etlichen Händler begrüßt und drängeln uns im Fluss der Massen durch die Gassen.

Ein paar orthodoxe Juden sehen wir zwar auch durch den Basar rennen, aber sie halten nicht an, blicken nicht nach links oder rechts, sondern eilen zielstrebig in Richtung jüdisches Viertel, an dessen Fuße sich auch haKotel befindet.

Dummerweise hat Ian dann ein paar Probleme, seinen Rucksack durch die Sicherheitsschleusen zu bekommen, den was er ganz vergessen hat, ist das Klappmesser in seinem Rucksack. Er lässt es also samt Rucksack zurück.

Dann gehts zum notwendigen Hände waschen vor dem Betreten des heiligen Ortes. Überhaupt ist das rituelle Waschen der Hände ein Brauch, der auch vor jedem Essen, dem Betreten von Synagogen oder Friedhöfen oder an bestimmten Feiertagen extra stattfindet. Siehe dazu hier.

Erst dann betreten wir wirklich die Freiluftsynagoge.IMG_1035.JPG

Ein Mann hält mich an, fragt mich ob ich „תפילין“ – Teffilin anlegen will. Ich sage: „כן“ – ja. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Gebetsriemen trage. Er spricht mir langsam das dazugehörige Gebet vor und ich versuch es so gut es geht nachzusprechen.

Es mag eigenartig aussehen, zwei Quader, einen auf dem Kopf, einen auf der linken Hand, zu tragen und dabei mit einem Buch in der Hand in ständigem Vor- und Zurückbeugen des Oberkörpers vor einer Mauer zu beten, doch genau das ist es, was ich an diesem Tag möchte: Beten.

Etwa eine halbe Stunde später stimme ich dann, nachdem ich ein paar Gebete gesprochen hab, in die Gesänge der Umstehenden ein. Sie singen „Lecha dodi“. Eines meiner Lieblingslieder aus der Siddur.

Ian ist bereits wieder außerhalb des Platzes und wartet auf mich. Er grinst, als er mich in „voller Montur“ sieht, doch er selbst hatte mich gestern noch gefragt, ob wir uns heute die Tefilin umschnüren würden.

Wir treffen die drei Anderen dann am Österreichischen Hospiz. Leider haben sie kein Zimmer für uns frei und so beschließen wir, es in einem Hotel in der Nähe des Jaffa-Tores zu versuchen. Doch da die Via Dolorosa am Hospiz entlangführt, führe ich die Truppe dort entlang, hinaus am Löwentor und hin zum muslimischen Friedhof.

Für das Goldene Tor hat zwar keiner Interesse, dafür umso mehr für die auf der anderen Talseite liegenden Grabstätten und die Mauer, die Ost- von Westjerusalem trennt.

Am Dungtor gehen wir wieder in die alte Stadt und laufen über das jüdische, dann das armenische Viertel zurück.

Doch auch das Hotel hat keine Betten mehr frei und so landen wir wieder im Petra Hostel, diesmal für 260 NIS die Nacht im selben Zimmer.

Trotz Shabbat hat das „The Tower of David Museum“, was quasi das Stadtmuseum ist, geöffnet und man darf sogar jetzt kostenlos fotografieren.
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Wir nutzen also die Gelegenheit und erkunden die alten Ruinen der Festungsanlage. Der Davidsturm hat jedoch nichts mit König David zu tun, sondern war ursprünglich ein Minarett. Aber darüber wird man dann auch im Museum aufgeklärt.

Nach dem Rundgang liefen wir dann wieder in die alte Stadt. Ian war noch immer auf der Suche nach Shishatabak, auch wenn es den wirklich an jeder Ecke gab. Aber er wollte noch irgendwas Anderes haben, was man in den Tabak mischen kann.

Es war dann schon 18 Uhr, als wir, die Füße wundgelaufen, wieder aus der Altstadt herauskamen. Unsere Mägen knurrten und so fielen wir bei einem Libanesen ein, der ganz wunderbare Kebab zubereiten konnte.

Kebab hat allerdings nicht mit Döner Kebab zu tun, sondern sind einfach nur sehr leckere Fleischspieße.
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So gestärkt, der Shabbat neigte sich dem Ende zu, wollten wir das jüdische Viertel erkunden, was weitestgehend geschlossen war am Tage.

Hocherfreut war ich, als ich einen Buchladen fand, der zahlreiche Bücher in Englisch führte und erwarb endlich eine komplette Artscrolls Siddur für den halben Preis, wie sie Amazon in Deutschland derzeit verkauft.

Spätabends saßen wir dann, Ian, Sigfus und ich, auf dem Dach des Hostels, genoßen die kühle Abendluft, gepaart mit ein paar Dosen belgischem Bier und sinierten über G’tt und die Welt, begleitet von lauten Konzertklängen die aus der Davidsturm-Festung kamen.

Langsam schloßen die Händler ihre Läden. Der Mond war hinter streifenförmigen Wolken, so dass man ihn direkt beobachten konnte, wie er sich langsam, von links nach rechts im Halbkreis bewegte.

Plötzlich entdeckte ich ein paar Leuchtraketen am Horizont, die direkt an der Betonmauer die Palästina von Israel trennt hinuntergingen. Doch nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und wir widmen uns wieder dem schönen Anblick der Altstadt und dem Erdtrabanten.

In der Ferne beoabachte ich ein Flackern, was aus rechter Richtung direkt auf uns zuzukommen scheint. Immer größer wird es und entpuppt sich als eine Art Feuerball, der sich nun aber zielstrebig Richtung Ostjerusalem bewegt.

Eine Rakete? Womöglich, den so schnell und leise ist kein Flugzeug. Noch dazu so hell. Irgendwo in Westjordanien verschwindet das Ding dann.

Wenige Minuten später noch eins. Und dann noch ein Drittes. Wir sind uns nun sicher, es müssen Raketen gewesen sein.

Findet Etwas gerade jetzt ein Angriff auf das Palästinänsergebiet statt und wir sind live dabei? Erst die Leuchtsignale an der Trennungsmauer und jetzt das?

Was solls. Wir genießen weiter unser Bier, die kühle Abendluft und die Stille und Schönheit der Altstadt.