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שקיעה

Schkia – Sonnenuntergang

Die vergangen zwei Tage wareen dann nochmal sehr erholsam, wie auch ein wenig abenteuerlich. Nachdem ich im strömenden Regen den Har HaSetim (Berg der Oliven) also den Ölberg bestiegen hatte und wieder klitschnass ins Hostel eincheckte, wurde ich von einem doch etwas verrückten Franzosen vollgequatsch, der der Meinung war HaShem höchstpersönlich hätte zu ihm gesprochen und er müsse nun jeden Juden über seine Botschaft aufklären.

Was genau den diese Botschaft war, konnte ich dann leider doch nicht herausfinden, da wir einem kleinen babylonischen Problem unterlagen. Sein Englisch war so schlecht wie mein Französisch und so verstand ich nur ansatzweise, warum er jetzt Israelischer Staatsbürger werden und uns Juden „aufklären“ möchte.

Er selbst meint, er sei kein Christ, habe sogar Verachtung vorallem der katholischen Kirche und dem Papst gegenüber, aber sehe Jeshua schon als eine Art Meschiach.

Doch zum Glück waren auch noch andere Leute in dem Zimmer, dass wir uns zu sechst teilten und so konnten wir ihn dann irgendwann gewissermaßen beruhigen.

Ein Argentinier, ebenfalls Jude, lud mich dann ein mit seinem Kumpel noch ein wenig uns unters Volk zu mischen, denn immerhin war Purim trotz anhaltendem Regen in vollem Gange.

Draußen auf den Straßen tanzten, sangen und tranken vorallem junge Menschen. Allesamt kostümiert oder wenigstens mit etwas Schminke im Gesicht.

Vom klassischen Terroristenoutfit bis hin zur leicht bekleideten Zahnfee war alles dabei, was man sich vorstellen kann.

Irgendwann kurz vor 23 Uhr fanden wir uns in einem Pub wieder. Des Argentiniers Freund entpuppte sich als ein aus der Türkei stammender Sefard, der nun aber in London lebt und so entwickelten sich einige erstaunliche Gesprächsrunden.

Ohne zu meinen absoluten Hassthemen Sport, insbesondere Fussball, oder Wirtschaft zu kommen, unterhielten wir uns und tranken ein paar Bierchen.

Netterweise gabs zu jedem Bier einen Shot Vodka oder Tequila…

Am darauf folgenden Vormittag fuhr ich dann mit dem Bus nach Tel Aviv. Das Wetter besserte sich ein wenig, doch meine Laune war nicht gerade die Beste.

Zum Glück bekam ich genau im passenden Augenblick einen Anruf von Shera, die sich mit mir am Abend verabredet.

Nocheinmal lief ich durch Tel Aviv, über Dizengoff, Allenby, Sheinkin, Carmel Markt, Ben Yehuda und wie sie alle heißen und setzte mich letzten Endes an den Strand um dem Sonnenuntergang zuzusehen.

Kurz nach halb Sieben traf ich mich dann mit Shera auf der King George Street.

Sie schlug vor, ins Little Prag, was sich trotz meiner leichten Vorbehalte als ein echter Glücksgriff herausstellte.

Es handelte sich um eine wirklich authentisch tschechische Kneipe, mit den selben Ambieten, wie man es in einer guten Prager Bierstube vorfindet.

Die Preise waren zwar nicht gerade tschechisch, aber es gab Staropramen, Knedlik und Szegedinger Gulasch, wahlweise vom Rind oder Schwein.

Shera wollte zwar unbedingt eine Pretzel, mit Sauerrahm und Käse essen, doch die waren leider aus, so dass sie sich für eine Suppe entschied.

Nach zwei sehr schönen, lustigen zwei Stunden verließen wir das Restaurant wieder, steuerten noch ein kleines Straßencafe an und stellten aufgrund einer  Wortverwechselung fest, dass hebräisch eine wirklich schwere Sprache ist.

Auf dem Ben Gurion Boulevard verabschiedeten wir uns dann. Shera ging zur Marina, ich wieder zurück ins Hostel.

Unterwegs kaufte ich mir aber noch einen guten, frischgepressten Orangensaft.

המולה

Hamula – Lärm

Ende Januar wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Matisyahu in Tel Aviv ein Konzert geben würde und eine Woche später hatte ich dann herausgefunden, dass die Goatruppe Infected Mushroom zusammen mit ihm auftreten würde.

Ich kannte Infected Mushroom nur vom Sagen, doch die Lieder, die ich auf youtube fand, gefielen mir auf Anhieb und so bestellte ich mir problemlos auf der Website des Veranstalters ein paar Karten.

Da das Konzert in der Woche am Donnerstagabend stattfand, nahm ich mir natürlich den Freitag frei.

Am besagten Tag fuhren dann Christin, Natan, David und Ian nach Afula, um einen der vielene Busse nach Tel Aviv zu ergattern, die aber eben voller Soldaten waren, da diese Meistens Freitag frei haben.

So waren Christin, Natan und ich schon im Bus, während Ian und David ihr Gepäck verstauten, was sie aber zwei Minuten später wieder aus dem Laderaum holen konnten, da der Bus hoffnungslos überfüllt war.

Nach knapp 2h waren wir dann zu dritt in Tel Aviv, Savidor Hauptbahnhof und fuhren mit dem Zug eine Station zur Haltestelle der Universität an welcher sich das Fair Trade & Convention Center befand.

Dort angekommen mussten wir uns aber erstmal einen Kaffee einverleiben. Natan und ich hatten bis um 2 Uhr gearbeitet, keinen Schlaf gehabt und im Bus war es zu laut um ein wenig auszuspannen. Nur Christin, die im Kuhstall arbeitet, hatte diesen Tag schon frei und war entsprechend ausgeruht.

Auf dem Messegelände fand, zu unserer Belustigung, auch eine „Wine Expo“ statt und wir sahen schon die ersten Päärchen torckelnd mit Gläsern aus der Hand über das Gelände spazieren. Es war ja auch schon 20 Uhr!

Vorm Eingang zum Pavillion 1, wo das Konzert stattfinden sollte, war jedoch gar nichts los. Es lag nur ein riesiger Haufen Schnee davor. Woher auch immer der kam…

Doch eigentlich wollten wir nur unsere Tickets erstmal holen und dann nochmal in die City fahren, Etwas essen und das eine odere andere Bier trinken, aber nicht mal die hauseigene Security wusste überhaupt, an wen man sich hier wenden sollte.

Wir kontaktierten erstmal David, der mit Ian bereits in Tel Aviv angekommen war und erklärten Ian die Route zum Messegelände.

Doch nach 1h war dieser immer noch nicht da. David war zu Freunden unterwegs und Ian ohne Mobiltelefon.

Unsere Tickets bekamen wir dann auch endlich. Ich musste nur die E-Mail mit der Bestellbestätigung vorzeigen und bekam die Eintrittskarten im Briefumschlag.

Dann noch 15 Minuten Schlange stehen, voller Bodycheck durch jeweils männliche oder weibliche Security, Rucksack kurz gefilzt und ab in die Halle.

Die Halle, also Pavillion 1, ist schätzungsweise so groß, wie eine Messehalle und es waren schon schätzungsweise 500 Menschen dabei, tanzenderweise sich durch den Raum zu bewegen.

In der Mitte der Halle war eine Bar, die im Akkord Bier und Cocktails zu horrenden Preise ausgab. Wir verkniffen uns die 26 Shekel für ein 0,33er Heineken aus dem Plastikbecher und liefen lieber noch ein wenig herum, bestaunten die ersten Partyleichen und warteten auf Infected Mushroom und Matisyahu.

Es war 0.30 Uhr als endlich die Band auf die Bühne kam. Wir hatten uns jetzt zweieinhalb Stunden geduldet und zugesehen, wie sich die Halle füllte und immer mehr Leute sich extatisch zu den Bässen bewegten.

Unerwarteterweise starteten sie mit eher rockigen Titeln, bis Matisyahu zusammen mit ihnen „One day“ spielte.

Wir gaben uns also den Klängen hin, ließen die Körperzellen rocken und uns vom Schweiß und Rauchdunst einnebeln.

Gegen 3.30 Uhr stiegen wir total geschafft in ein Taxi, was uns in auf den Dizengoff Square mitten in der Innenstadt Tel Avivs fuhr.

Nocheinmal ließen wir den Abend bei einer Portion Schawarma Revue passieren und beschlossen noch ein wenig über den Carmel Shuk zu bummeln, bevor es dann gegen 6 Uhr mit dem Bus nach Hause ging.

Das Konzert war wirklich großartig. Ich bin wirklich kein Fan von Goa und Ähnlichem, aber Infected Mushroom weiß auch mich zu rocken. Naja und über Matisyahu ist jeder Zweifel bei mir erhaben.

ירושלים א

Yerushalaim – Jerusalem

Dies ist der erste von drei Beiträgen zu dem Wochenende vom 01. bis zum 03. Januar 2010 in Jerusalem.

Nach der Neujahrsfeier sinke ich, gegen 2 Uhr Ortszeit, ermüdet ins Bett. Deutschland ist mittlerweile im neuen Jahrzehnt, Großbritannien, Island und Portugal feiern grad mit Senegal.

Gegen 5 Uhr weckt mich mein, ins Zimmer stolpernder, Mitbewohner und wünscht mir „Shana tov“ – ein Gutes Jahr.

Ich erinnere mich, dass er mit Sigfus (IS), Emmanuel (FR) und mir am späten Morgen des Neujahrtages nach Jerusalem fahren wollte, doch er macht den Eindruck, als hätten ihn die Geister von 2009 eingeholt und seinen Eigenen schon mal vorsorglich ins Jenseits befördert.

Als ich dann bereits vom Mittagessen, gegen 12 Uhr, zurück komme, steht er wieder erwartend, sich am Bauch kraulend auf der Veranda und entgegnet mir irgendetwas.

Mittlerweile ist die Abfahrtszeit auf 2 Uhr angesetzt, da Sigfus bis 2 arbeiten muss.

Gegen halb 3 stehen wir dann zu fünft an der Bushaltestelle, mit Nathan (US) und werden Zeuge eines suizidgefährdeten Hundes.

Ein Labrador mit hellbraunem Fell steht an einer stark befahrenen Straße und springt jedem Auto entgegen, dass seinen Weg kreuzt. Die darauffolgenden Autos können nur mit Mühe ausweichen, aber irgendwie schafft der Hund es, dem Tod zu entrinnen.

Zum Glück erlöst uns der herannahenden Bus von diesem Drama. Wir steigen ein, doch Nathan zögert plötzlich. Irgendwie hat noch jemand ihn an den Pass erinnert.

Sein Pass ist noch bei den Behörden und kommt wohl nächste Woche. Doch ohne Pass in Israel, noch dazu in Jerusalem, herumzureisen ist nicht ganz Ohne und so verzichtet er auf den Trip.

Wir fahren nach Afula, versuchen noch ein Sammeltaxi zu bekommen, doch der Preis von 550 Shekel für 4 Personen ist uns gegenüber 40 NIS pro Person mittels Bus einfach zu viel.

Nach anderthalb, statt von Egged veranschlagten zwei, Stunden, erreichen wir Jerusalems Zentralen Busbahnhof.

Doch da bereits seit einer Stunde Shabbat ist, hält der Bus vor dem Gebäude.

Von dort an laufen wir den Weg, die Jaffo Street, hinunter an geschlossenen Geschäften. Ein paar Autos fahren zwar vorbei, aber im Grunde ist Totenstille.

Und auch das Jerusalem Hostel, in welchem wir eigentlich nächtigen wollen, hat des Shabbes wegen keine offene Rezepetion und so ziehen wir weiter in Richtung Altstadt.

Nach einer gediegenen Stunde, wir haben inzwischen doch noch Bier und Abendbrot kaufen können, finden wir uns am Jaffator ein.

Von dort aus sind es nur 2 Minuten bis zum Petrahostel, was uns ein 4 Bett Zimmer für 280 Shekel pro Nacht offeriert.IMG_0952.JPG

Dankend checken wir ein, ruhen eine halbe Stunde und laufen dann den Shuk hinunter bis zur Klagemauer.

Nachdem Ian und ich ein paar Gebete gesprochen und kleine Zettel in die Mauer gesteckt haben, gehen wir, natürlich rückwärts auf den Platz zurück, treffen wieder auf Emmanuel und Sigfus und suchen ein nettes Restaurant am Rande des jüdischen Viertels auf.
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Dort kommt es, nach zwei Falafal und einer Schawarma noch zu einem kleinen Eklat. Sigfus wollte gleich nach der Bestellung bezahlen, doch irgendwie war das nicht ganz im Sinne der Inhaber und so gaben sie das Geld an Ian, statt Sigfus, zurück.

Ian jedoch konnte sich nicht erinnern Geld erhalten zu haben, während Siggi der Ansicht war, sein Essen bereits bezahlt zu haben.

Es versammelten sich immer mehr Leute um uns, doch Ian leerte seine Taschen aus und fand keine 20 Shekel, die er quasi jetzt dem Restaurant schuldete.

Sigfus gab klein bei und bezahlte nochmals 20 Shekel für seine Schawarma.
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Spätabends trafen wir dann auf Sebastian, einen langjährigen Freund unseres Franzosen. Er hatte vor 5 Jahren Aliyah gemacht, lebte in Tel Aviv und führte uns zum Grab von König David.

Und brachte Vodka. Und Bier. Die wir allerdings auf dem Dach unseres Hostels tranken, wovon man im Übrigen einen ausgezeichneten Blick auf die Altstadt hat.

So klang der Abend ganz friedlich aus und ich stellte mir schon mal meinen Wecker auf 6:30 Uhr, die Sonnenaufgangszeit.

צלי

Zali – Braten

Gestern gab es, zu Ehren der zwei Finninen Lisa und Lotta, sowie dem Kanadier Maxime einen Abschiedsfeier und gleichzeitig wurde auch noch Weihnachten gefeiert.

Man soll nicht behaupten können, dass in Israel kein Weihnachten gefeiert wird, nur weil dies der Staat des jüdischen Volkes ist und das Judentum Jesus Christus eben nicht als den seinen Messias anerkennt.

Natürlich gibt es zum 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, also dem 25. und 26. Dezember nicht frei, aber dieses Jahr fallen die Tage auf Shabbat.

Die Küche des Kibbutz hatte uns, den 20 Voluntären, extra zwei mittlere Truthähne zubereitet, mit einer Art Pilzrisotto als Füllung. Sehr schmackhaft.

Dazu gab es reichlich Wein, Punsch, Bier und Arak.

Brenda, die für uns Voluntäre zuständig ist, war ziemlich nervös. Schon den ganzen Morgen lang hielt sie uns mehrfach auf und fragte nochmals, ob wir um 18 Uhr alle mithelfen, das Essen von der Küche in den Gemeinschaftsraum zu bringen, was ein Fußweg von 5 Minuten ist.

Als es dann soweit war, fuhren wir mit 3 Sackkarren los und beluden letzten Endes nur zwei davon mit den zwei Truthähnen, zwei Blechen gebackene Süßkartoffeln und noch einem Kanister Pflaumensoße.

Ich muss sagen, dass ich noch nie vorher Truthahn, also Pute, in derlei Art gegessen hab. Also als Braten.

Aber zusammen mit der Pflaumensoße, einem Glas guten Golanwein und der sehr herzlichen Atmosphäre des Weihnachtsabends war es vorzüglich.

Um 21 Uhr musste Maxime dann leider schon aufbrechen und wir hatten keine blödere Idee als ihn auf einen der Sackkarren mit einem Stuhl zu verfrachten und die 20 Minuten bis zur Bushaltestelle mit lautem Getöse, kraftvollem Gesang aller uns spontan einfallenden Lieder und Jeder mit irgendeinem alkoholischen Getränk in der Hand, gemeinsam zu laufen.

Der Bus war zwar inzwischen schon weg, als wir ankamen, aber Maxime konnte ein Taxi für 10 Shekel nach Afula erwischen. Sein Flieger ging ohnehin erst 8 Uhr morgens ab Tel Aviv und sein Heimweg wird ihn bis Sonntagabend beschäftigen, da er in Paris noch achtzehn Stunden Aufenthalt hat, in Quebec fünf Stunden auf den Bus warten muss, welcher ihn dann in 12 Stunden nach Hause bringt.

Der Abend wurde dann recht lang, die Nacht war praktisch nicht vorhanden und morgens stand ich dann zähneputzend vor dem Spiegel und stellte fest: Wir haben kein Wasser.

Ich kannte diese Situation zwar schon aus dem anderen Kibbutz, aber nach so einer durchzechten Nacht freut man sich umso mehr auf eine heiße Dusche, einen gepflegten Innenbereich und auch mindestens einen halben Liter Eskimoflip.

Missmutig ging ich also zum Frühstück, welches sehr Besonders ausfiel, da heute der Kibbutz seinen 88. Geburtstag feiert. Es gab neben den üblichen Speisen auch noch reichliche Käse und Wurst. Doch leider keinen Kaffee.

Die einzige Quelle für Etwas in flüssiger Form war Milch, wahlweise Ziegen- oder Kuhmilch.

Nachdem mein Magen sich wieder beruhigt hatte, fuhr ich zusammen mit drei Voluntären per Shuttlebus nach Afula um mir ein wenig Bargeld zu besorgen, den die 135 Funny Money waren gleich beim ersten Einkauf komplett alle und ich hatte mir bereits gestern zwei, oder warens drei, Bier geliehen.

Zurück im Kibbutz, der Shuttlefahrer hatte mich freundlicherweise auf mich gewartet, während ich Geld holen ging, begrüßte mich Brenda, die schon wieder in voller Sorge war, dass unsere Küche nicht aufgeräumt werden würde, weil doch heute soviele Leute nach Nazaret zur Christmesse gefahren sind.

Ich beruhigte sie, ging erstmal Gemüse einkaufen und fand im Frost des Supermarkts sogar eine Packung russischer Pelmeni, mit Rindfleischfüllung, die ich mir gleich einverleiben werde.

Heute Abend wird dann ein großes Festessen stattfinden, zu Ehren des Kibbutz natürlich. Spätabends feiert dann Alex, eine Voluntärin, ihren Geburtstag und Christmas Eve / Boxing Day ist ja auch noch.

Volles Programm also.

מתנדב

Mitnadew – Freiwilliger

So, nun bin ich eine Woche hier im Kibbutz und kann mit Bestimmtheit sagen, dass Vieles angenehmer ist, als im alten Kibbutz.

Nicht nur, dass wir hier weniger arbeiten müssen und die Arbeit auch viel entspannter abläuft. Nein, es wird sich auch wirklich um uns gekümmert, wir genießen hier so Etwas wie Ansehen und man geht sehr zuvorkommend mit uns um.

Ich möchte zwar nicht sagen, dass man uns Zucker in den Arsch bläst, aber verglichen mit meinen bisherigen Erfahrungen und Erzählungen von Voluntären die ich früher getroffen hatte, ist dies doch ein sehr guter Kibbutz.

Was ich ein wenig bedauere ist aber, dass er so gar nicht religiös ist. Das Shabbatdinner war ausgesprochen langweilig und im Grunde nur ein normales Abendbrot mit zusätzlich kaum trinkbaren Weißwein aus dem 15l Pappkarton.

Dafür muss ich ich hier nicht irgendwie die Zeit totschlagen sondern kann mich selbst oder mit den Voluntären auf vielerlei Art beschäftigen. Seien es Wanderungen durch die großartige Landschaft, Spiele oder Filmabende, Bücher, Kochorgien, Basket- und Fussball, Radtouren oder Ausflüge an den See. Wobei es zugegebenermaßen zum Baden bereits viel zu kalt ist.

Ganz cool ist auch, dass überall ein WLAN mit Internet verfügbar ist. Es fällt zwar selten, aber hin und wieder mal für mehrere Stunden aus, aber wenn das grad zur Arbeitszeit passiert, stört es ja nicht.

Der Pub ist auch ganz ordentlich. Zwar Etwas kleiner, aber dafür kostet das Bier nur 5 Shekel, was definitiv unter Einkaufspreis ist. Auch Cocktails wie ein Cuba Libre gibts hier für nicht mehr als 12 NIS, was umgerechnet grad mal 2 € sind. Allerdings gibts den momentan nicht mit Limetten, sondern Zitronen.

In den zwei Supermärkten, einer für zu kühlende Lebensmittel, einer für haltbares Zeug, kostet das Meiste auch wesentlich weniger als beispielsweise in Tel Aviv oder Eilat. Die Auswahl kann sich sehen lassen. Selbst Lakritze gibts dort in 3 Varianten – parwe.

Und ansonsten… tjoa die Leute, also die Voluntäre, sind recht nett. Aktuell sind es: zwei Koreanerinnen, ein Chinese, zwei Finninen, zwei Britinnen, eine New Yorkerin, zwei Deutsche (f), ein Franzose, ein Kanadier, ein Isländer und mein neuer Zimmernachbar kommt aus Tampa, Florida.

Leider werden uns aber in den kommenden Tagen sowohl die Finnen, als auch der Kanadier verlassen und Platz machen für 2 neue Voluntäre, die dann nach den Weihnachtsfeiertagen zu uns stoßen.

Apropos Weihnachten. Entgegen aller Vermutungen feiert man das auch hier im Kibbutz. Nun genauer gesagt feiern es die, die es feiern wollen. Ein Weihnachtsbaum schmückt unseren Gemeinschaftsraum und daneben stand noch bis vor Kurzem die Chanukkia.

Am 25.12 – was für die Meisten der Weihnachtsabend ist – gibts dann eine große Feier anlässlich des 85-jährigen Bestehen des Kibbutz und ein kleines Dinner für die Christmessies.

Ich werde meinen Teil dazu beisteuern und wohl ein Mousse au Chocolat zaubern. Aber mal sehen… morgen ist ja auch noch ein Tag.

Gehabt euch wohl!